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›Im Exil – von Göttern und Menschen‹
Konzertfilm in drei Teilen mit Robin Ticciati und dem DSO

Am 14. Januar veröffentlicht das DSO im DSO PLAYER den dritten Teil seiner außergewöhnlichen Filmproduktion ›IM EXIL – VON GÖTTERN UND MENSCHEN‹. Das Finale wurde unter der Regie Frederic Wake-Walkers im Berliner Club Sisyphos gedreht, der als bedeutender Kulturraum der Berliner Szene sinnbildlich für all die durch den Lockdown unbespielten Einrichtungen steht. Der industrielle Charakter der ehemaligen Fabrik spiegelt sich im musikalischen Programm des Films wider: Unter der Leitung von Chefdirigent Robin Ticciati erklingt ›Dusty Rusty Hush‹ für Orchester von Ondřej Adámek. Der in Berlin lebende Tscheche schrieb das Stück anlässlich der Stilllegung eines Stahlwerks, dem heutigen Industriemuseum in Brandenburg an der Havel. Darüber hinaus präsentiert der Konzertfilm die Ergebnisse einer performativen Improvisation, die Ondřej Adamék und der Regisseur Frederic Wake-Walker gemeinsam mit Robin Ticciati und einem Kollektiv aus Orchestermitgliedern entwickelt haben.

Die ersten beiden Teile, die das DSO im Dezember veröffentlichte, standen bis zum 17. Januar als Video-on-demand im DSO Player zum Abruf bereit.

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Teil 1 (18.12.–17.1.)
Der erste Teil verbindet eine Canzon von Giovanni Gabrieli und ein zeitgenössisches Werk von Ondřej Adámek, jeweils für Blechbläserensemble, mit Igor Strawinskys ›Apollon musagète‹ für Streichorchester; seine Premiere erfährt er am Freitag, den 18. Dezember um 20 Uhr. 
Chefdirigent Robin Ticciati schlägt in dem musikalischen Programm des zweiteiligen Konzertfilms ›IM EXIL – VON GÖTTERN UND MENSCHEN‹, das von Verweisen auf die antike Mythologie durchzogen ist, einen weiten Bogen von der Renaissance bis zur Gegenwart. Die Friedrichswerdersche Kirche, die nach langer Renovierung erst Ende Oktober für museale Ausstellungen wieder eröffnet wurde und im November Pandemie-bedingt wieder schließen musste, stellt mit ihrer Skulpturensammlung des 19. Jahrhunderts einen Begegnungsort der Künste dar. Dort beginnt der erste Teil des Films mit der ›Canzon in echo duodecimi toni à 10‹ des Spätrenaissance-Komponisten Gabrieli gleich einer Intrada. Darauf folgt mit Strawinskys Ballettmusik ›Apollon musagète‹ – ein Tanz von Apollon, dem Gott der Musik, mit den Musen des Tanzes, der Poesie und Hymnendichtung – ein eindrucksvolles Beispiel des musikalischen Neoklassizismus. Dieses Hohelied auf die vereinten Künste wird durchbrochen von dem in der Natur gefilmten ›Coups d'ailes‹ (Flügelschläge) für Blechbläseroktett von Ondřej Adámek. Inspirationsquelle für dieses Werk war für den in Berlin lebenden tschechischen Komponisten die im Pariser Louvre ausgestellte geflügelte Statue der griechischen Siegesgöttin, der ›Nike von Samothrake‹.
Teil 2 (19.12.–17.1.)
Der zweite Teil, der am Samstag, den 19. Dezember um 20 Uhr erstmals zu sehen ist, verschränkt die ›Jupiter‹-Symphonie von Wolfgang Amadeus Mozart mit Benjamin Brittens ›Metamorphosen‹ für Solo-Oboe. 
Der zweite Teil des Konzertfilms beginnt in der Friedrichswerderschen Kirche mit Mozarts letzter, berühmter Symphonie, die im 19. Jahrhundert ihren Beinamen ›Jupiter‹ – nach dem höchsten Gott der römischen Antike – aufgrund ihrer »göttlichen Vollkommenheit« erhielt und als Schlusswort der klassischen Symphonik aufgefasst wurde. Dabei greift das DSO erneut auf einen aufführungs-praktischen Ansatz zurück, den es 2018 mit Händels ›Messias‹ begonnen und zuletzt im September 2020 mit Beethovens Vierter Symphonie erfolgreich fortgeführt hat: die Verwendung von Darmsaiten auf den Streichinstrumenten sowie den Einsatz von Naturtrompeten und -hörnern. Akupunktiert werden die Symphoniesätze von Brittens ›Metamorphosen‹, die antike Mythen um das spannungsreiche Verhältnis zwischen Menschen und Göttern versinnbildlichen und, ebenfalls in der Natur, von den Solo-Oboist*innen des DSO, Viola Wilmsen und Thomas Hecker, interpretiert werden. Die Regie beider Filmteile lag in den Händen von Frederic Wake-Walker, der dem Orchester seit seiner szenischen Einrichtung von Händels ›Messias‹ im Dezember 2018 vertraut ist.
Teil 3 (14.1.–13.2.)
Im Zentrum des dritten Teils, der seine Premiere am 14. Januar um 21 Uhr erlebt, steht das Werk ›Dusty Rusty Hush‹ des Komponisten Ondřej Adámek, eingebettet in performative Improvisationen, die ein Kollektiv aus Orchestermitgliedern gemeinsam mit Regisseur Wake-Walker und Adámek entwickelt hat.
Rhythmisch schnaubend und metallisch dröhnend steht ›Dusty Rusty Hush‹ von Ondřej Adámek im Zentrum des dritten Teils. Der in Berlin lebende Tscheche schrieb sein Orchesterstück anlässlich der Stilllegung eines Stahlwerks, dem heutigen Industriemuseum in Brandenburg an der Havel, in dem alle Angestellten ihre Arbeit niederzulegen gezwungen waren und auf einen Schlag entlassen wurden. Der Berliner Club Sisyphos, der sich in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Hundekuchenfabrik befindet, bildet als Drehort mit seinem industriellen Charakter eine visuelle Verbindung zum Inhalt des Stücks. Darüber hinaus steht das Sisyphos als bedeutender Kulturraum der Berliner Szene, in dem das Leben bis März 2020 pulsierte, sinnbildlich für all die durch den Corona-bedingten Lockdown unbespielten Einrichtungen. Neben Adámeks Werk präsentiert der Konzertfilm die Ergebnisse kreativer, performativer Sessions mit und ohne Instrumente, die der Komponist und der Regisseur Frederic Wake-Walker gemeinsam mit Robin Ticciati und einem Kollektiv aus Orchestermitgliedern entwickelt haben. ›IM EXIL – VON GÖTTERN UND MENSCHEN‹ möchte eine Standortbestimmung von Kulturschaffenden in der Pandemielage vornehmen und bietet Gelegenheit zu Selbstreflexion und zur Begegnung miteinander.