»Ein orchestraler Think Tank«

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin feiert in der Saison 2021/2022 sein 75-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung 1946 strahlt es weit über die Landesgrenzen hinaus in die Welt. Namhafte Chefdirigenten prägten die ersten sieben Dekaden seiner Geschichte: Ferenc Fricsay, Lorin Maazel, Riccardo Chailly, Vladimir Ashkenazy, Kent Nagano, Ingo Metzmacher und Tugan Sokhiev. Die langjährige Verbundenheit mit hochkarätigen Gastdirigenten wie James Conlon, Manfred Honeck, Ton Koopman, Sir Roger Norrington, Sakari Oramo, Leonard Slatkin oder David Zinman trägt ebenso wie die regelmäßige Zusammenarbeit mit seinem heutigen Ehrendirigenten Kent Nagano und den weiteren ehemaligen Chefdirigenten zum Renommee des Orchesters bei.

Chefdirigent Robin Ticciati

Seit September 2017 steht Robin Ticciati an der Spitze des DSO. In den zurückliegenden Spielzeiten hat er mit dem Orchester seine Vielseitigkeit und Flexibilität unter Beweis gestellt, mit Repertoire von der Renaissance bis in die Gegenwart, mit Präsentationsformen, die von ungewöhnlichen Aufstellungen im Saal über Lichtkonzeptionen bis zu szenischen Einrichtungen reichen, und Projekten wie dem Spiel auf Darmsaiten oder freien Improvisationen. Das Jubiläum in der Saison 2021/2022 begehen sie mit Konzerten, die ein differenziertes Spektrum von klassischen bis zu experimentellen Formaten umfassen und einem Geburtstagsprogramm im November unter der Leitung Ticciatis. In seinem Selbstverständnis als Künstlerischer Leiter legt der junge Brite ein besonderes Augenmerk auf die Nachwuchsarbeit. Vor diesem Hintergrund widmet er sich intensiv den Ferenc-Fricsay-Akademistinnen und -Akademisten, setzt sich in Opernprojekten für Gesangsstudierende ein und leitet bereits zum vierten Mal den ›Symphonic Mob‹.

Am Puls der Zeit

Als »orchestralen Think Tank« hat die Süddeutsche Zeitung einst das DSO unter den hauptstädtischen Klangkörpern hervorgehoben, womit auf die beziehungsreiche Dramaturgie der Konzertprogramme, den Einsatz für die Musik der Gegenwart sowie auf stetige Repertoireentdeckungen angespielt wurde – und auf den Mut zu ungewöhnlichen Musikvermittlungsformaten, der das Orchester bis heute auszeichnet. So holt das DSO durch die moderierten Casual Concerts mit anschließender Lounge seit 14 Jahren die Kunst näher an den Puls des modernen Lebens. Seit 2014 bringt es Musikenthusiasten jeden Alters mit Musikerinnen und Musikern aus den eigenen Reihen zu Berlins größtem Spontanorchester, dem ›Symphonic Mob‹, zusammen. Innovative Impulse setzte das DSO außerdem mit zwei internationalen Remix-Wettbewerben, den Konzertprojekten ›Ostinato‹ und ›Parallax‹, die 2016 und 2017 neue symphonische Formen an der Schnittstelle zwischen Orchestermusik und Live-Elektronik vorstellten, sowie durch die Zusammenarbeit mit Ensembles der freien Szene im Projekt ›Trikestra‹. In den Pandemiejahren 2020 und 2021 realisierten Robin Ticciati und das DSO in Koproduktion mit EuroArts Music International und sounding images eine Reihe außergewöhnlicher Musikfilme, darunter eine Produktion im Berliner Club Sisyphos um Ondřej Adámeks Werk ›Dusty Rusty Hush‹ und eine filmische Umsetzung von Strauss’ ›Eine Alpensinfonie‹ mit philosophischen Kommentaren des legendären italienischen Bergsteigers Reinhold Messner.

Tourneen und Gastspiele

Durch zahlreiche Gastspiele ist das DSO im nationalen und internationalen Musikleben präsent. In den letzten Jahren gastierte es in Brasilien und Argentinien, in Japan, China, Malaysia, Abu Dhabi und in Osteuropa, außerdem bei bedeutenden Festivals wie dem Edinburgh International Festival, den Salzburger Festspielen oder den BBC Proms. Im Herbst 2019 führte eine Asientournee das Orchester mit Robin Ticciati für eine Residenz nach Tokio und zu Konzerten in China, 2020 folgten Gastspiele etwa in der Tonhalle Düsseldorf und der Hamburger Elbphilharmonie. In der Saison 2021/2022 gehen sie anlässlich des 75. DSO-Geburtstags auf eine Jubiläumstournee gemeinsam mit Leif Ove Andsnes, die sie unter anderem ins Concertgebouw Amsterdam, das Müpa Budapest und La Seine Musicale Paris führt.

Mediale Präsenz

Die Konzerte des DSO in der Berliner Philharmonie werden von Deutschlandfunk Kultur, Deutschlandfunk und rbbKultur aufgezeichnet und in Deutschland sowie über die European Broadcasting Union (Euroradio) auch europaweit und darüber hinaus gesendet. Für Live-Übertragungen und spätere TV-Ausstrahlungen besteht seit 2013 eine Zusammenarbeit mit ARTE Concert und dem rbb-Fernsehen. Etliche Opernmitschnitte aus dem Festspielhaus Baden-Baden und von den Salzburger Festspielen sind als DVD bei Arthaus Musik erhältlich. Auch mit zahlreichen ausgezeichneten CD-Einspielungen ist das DSO weltweit präsent. 2011 erhielt es für die Erstaufnahme von Kaija Saariahos Oper ›L’amour de loin‹ unter Naganos Leitung den Grammy Award. In den vergangenen Jahren haben Robin Ticciati und das DSO bereits fünf von der Fachpresse hochgelobte Aufnahmen mit Werken von Bruckner, Debussy, Duparc, Duruflé, Fauré und Strauss bei Linn Records vorgelegt. Im September 2021 erscheint eine weitere, mit der Symphonie Nr. 2 von Rachmaninoff.

Geschichte

Der Blick zurück in die Geschichte des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin fördert gleich drei Namen ein und desselben Klangkörpers zutage. Gegründet wurde es als RIAS-Symphonie- Orchester vom Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS). Von Anfang an bildete Musik des 20. Jahrhunderts in der Programmgestaltung eine feste Größe neben den Interpretationen des klassischen Repertoires, die sich durch Transparenz, strukturelle Prägnanz und Plastizität auszeichneten. Als sich 1956 der Sender Freies Berlin (heute Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb) an der Trägerschaft des Orchesters beteiligte, nannte es sich fortan Radio-Symphonie-Orchester Berlin (RSO). Seit 1993 führt es seinen heutigen Namen und gehört seit dem darauffolgenden Jahr zur Rundfunk Orchester und Chöre GmbH (ROC), die von Deutschlandradio (40 %), der Bundesrepublik Deutschland (35 %), dem Land Berlin (20 %) und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (5 %) getragen wird.

Stand: Juli 2021

Öffne Popup