›Parallax‹ ist das Zusammentreffen zweier unterschiedlicher Musiktraditionen am 29. September 2017. Seit über 70 Jahren widmet sich das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin der Präsentation und Rekontextualisierung moderner und zeitgenössischer Klassischer Musik. Berlin Atonal hat sich seit 2013 zu einer der wichtigsten Plattformen Europas für Kompositions- und Klangpraktiken des 21. Jahrhunderts entwickelt. In der Atonal-Spielstätte Kraftwerk Berlin wird ›Parallax‹ Brücken über nicht nur zwei musikalische Landschaften schlagen.

Akustische Versuchsanordnung

In Berlin sind sie noch überall zu finden, die Labyrinthe von Bauten aus dem ersten Industriezeitalter, aus denen die Geschichte ausgezogen scheint. Ihren zugedachten Zweck erfüllen sie nicht mehr. Manche verfallen, andere verschwinden für Neubauten, in etlichen hielt die Kreativszene Einzug. Das ›Kraftwerk Berlin‹, die hundert Meter lange Turbinenhalle eines ehemaligen Heizkraftwerks an der Köpenicker Straße in Mitte, ist so ein ausgedienter Industriebau. Seit 2013 ist hier das Festival ›Berlin Atonal‹ ansässig, das sich in den letzten Jahren als eine der international anerkanntesten Plattformen für die Entwicklung und Auführung experimenteller elektronischer Musik und Klangkunst etabliert hat.

Das DSO und ›Berlin Atonal‹ treffen am 29. September im Projekt ›Parallax‹ aufeinander. Aus der Astronomie kennt man das Phänomen, nach dem sich die Position eines Objekts im Verhältnis zu seinem Hintergrund zu verändern scheint, wenn der Betrachter seinen Standpunkt wechselt. Was aber geschieht, wenn man die optische Dimension dieses Effekts durch eine akustische ersetzt? Wie verändert sich die Wahrnehmung von Raum, Klang und Zeit, wenn man musikalische Gedanken abwechselnd durch den Filter der klassischen Tradition und der heutigen Avantgarde erfahrbar macht, den Blickwinkel vom Symphonieorchester zur elektronischen Musik und zurück verschiebt? Und was passiert, wenn in einer elektroakustischen Versuchsanordnung aus orchestralen Thesen und elektronischen Antithesen eine neue musikalische Synthese entsteht? ›Parallax‹ widmet sich diesen Fragen im Großraumlaboratorium des ›Kraftwerk Berlin‹.

Mit einem Programm zwischen Barock und moderner Mikropolyphonie erkundet das DSO unter der Leitung seines Chefdirigenten Robin Ticciati die akustischen Potenziale der Industriekathedrale. Zwei elektronische Auftragswerke von Valerio Tricoli + PYUR, und Paul Jebanasam, die eigens von ›Berlin Atonal‹ für diesen Anlass kuratiert werden, reflektieren, brechen und beantworten die symphonische Musik auf ihre Weise. Seinen Höhepunkt erreicht der audiophile Konzeptabend mit der Uraufführung eines neuen Werks für Orchester und Elektronik des klassisch ausgebildeten Schlagzeugers und Technopioniers Moritz von Oswald.






29
Fr 29. September 2017
21 Uhr Kraftwerk Berlin

›Parallax‹ – präsentiert von DSO und ›Berlin Atonal‹

Robin Ticciati | Alina Ibragimova Violine | Elsie Bedleem Harfe | Moritz von Oswald Elektronik | Valerio Tricoli Elektronik | PYUR Elektronik | Paul Jebanasam Elektronik
Berio, Ives, Tricoli + PYUR, Bach, Ligeti, Jebanasam, Debussy, Oswald
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ist ein Ensemble der

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