Poulencs Monodram über Liebe und Verlust

Foto Barbara Hannigan
Foto: Marco Borggreve

Mit ›La voix humaine‹ hat Francis Poulenc ein monumentales Einpersonenstück geschaffen: Basierend auf einem Theatertext von Jean Cocteau geht es in seiner Oper um das Ende einer Liebe, mit allen Momenten der Hoffnung, Selbsttäuschung und Verzweiflung. ›La voix humaine‹ ist »ein schmerzhaftes und endgültiges Gespräch einer Frau (Elle) mit ihrem ehemaligen Liebhaber«, erzählt Barbara Hannigan, »wobei wir nur ihre Worte hören, nicht seine. Dieses einseitige Gespräch ist voller Widersprüche, Lügen, Fantasien und Sehnsüchte. Was mich am meisten interessiert, sind die Macht, die Kontrolle, die Schwäche und das sich ständig verändernde Gleichgewicht all dieser Aspekte von ›Elle‹. Ich frage mich, ob es überhaupt einen Ex-Liebhaber gibt? Was und wer existiert wirklich in diesen tiefen und wahren Emotionen von Liebe, Verlust und Einsamkeit?«

Den herzzerreißenden Monolog der Protagonistin macht sich Barbara Hannigan auf einzigartige Weise zu Eigen. In einer beeindruckenden Performance, die live auf eine große Leinwand über der Bühne projiziert wird, verschmilzt die kanadische Musikerin die Rollen von Dirigentin und Sängerin, verbindet mit Stimme, Körper, Gestik und Choreografie Musik, Text und Handlung zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk. Poulencs Oper stellt die überaus wandlungsfähige Hannigan am 14. Januar 2027 die ›Metamorphosen‹ von Richard Strauss voran – eine melancholische Trauermusik mit feinen Zwischentönen und philosophischem Tiefsinn.

Barbara Hannigan ist derzeit Erste Gastdirigentin der Göteburger Symphoniker und des Orchestre de Chambre de Lausanne, Associate Artist des London Symphony Orchestra und Professorin an der Royal Academy of Music in London. Im August 2026 tritt sie die Stelle als Chefdirigentin und Künstlerische Leiterin des Iceland Symphony Orchestra an. Mit einer selten ausgelebten Doppelbegabung ausgestattet, ist sie zudem als Sopranistin regelmäßig in Konzert-, Lied- und Kammermusikprogrammen vor allem mit Werken des 20. Jahrhunderts zu erleben. Mit ›La voix humaine‹ gibt sie ihr Debüt an der Seite des DSO.

La voix humaine