19.15 Uhr Einführung

Wahl-Abo, D – Serie ›Virtuoso‹

Übertragung

Termin wird noch bekannt gegeben

Deutschlandfunk Kultur

Programm

Rede
von Michel Friedman

Benjamin Britten
›Four Sea Interludes‹ aus der Oper ›Peter Grimes‹

Gustav Mahler
Adagio aus der Symphonie Nr. 10

Liza Lim
›Sappho/ Bioluminescence‹

Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur

Mitwirkende

Simone Young Dirigentin

  • Francesco Piemontesi Klavier
  • Michel Friedman Redner

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Zum Konzert

Hat der mürrische, einsiedlerische Fischer Peter Grimes seine beiden Lehrlinge umgebracht? Wie auch die Zuschauer*innen der Oper ›Peter Grimes‹, erfahren die Dorfbewohner*innen in der Geschichte nicht oder nur zum Teil, was sich zugetragen hat in der geheimnisvollen Hütte nahe den Klippen. Peter Grimes nimmt das Wissen darum mit ins Meer, wo er sich das Leben nimmt. Benjamin Brittens ›Four Sea Interludes‹, die Orchesterzwischenspiele der Oper, nehmen das Publikum mit in die Gefühlswelt der Protagonist*innen – vom Sonnenaufgang des ersten Aktes bis zum letzten Stück, in dem sich bereits der Sturm überm Meer zusammenbraut.

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Auch Gustav Mahlers Adagio aus der Symphonie Nr. 10 erzählt von der Schwelle zwischen Leben und Tod: Der Komponist selbst war todkrank, als er mit der Arbeit an seiner Zehnten begann, die er nie beenden sollte. Im aufgerauten Adagio klingt nicht nur der Schmerz über die eigene Sterblichkeit, sondern auch die Trauer über eine verlorene Liebe: Alma Mahler hatte sich kurz vorher in einen anderen Mann verliebt, was Gustav nie wirklich verarbeitete.

Zu gerne hätte er Alma auf ihr Dasein als seine Ehefrau reduziert: Bei der Heirat forderte er von ihr, mit dem Komponieren aufzuhören zu komponieren und ignorierte ihre emotionalen Bedürfnisse. Auch andere Männer sahen in Alma mehr eine Muse als eine eigenständige Person – allesamt fatale Fehleinschätzungen. Die Komponistin Liza Lim geht den anderen Weg. Sie widmet ihr Werk ›Sappho/ Bioluminiscence‹ der weiblichen Spiritualität in Verbindung mit intellektueller Energie und Erotik. Die Dichterin Sappho dient ihr dabei als Inspiration und Ikone.

Ludwig van Beethoven komponiert sein Fünftes Klavierkonzert während der napoleonischen Kriege – im Jahr der Komposition, 1809, stand der Feldherr gerade mit seinen Truppen vor Wien. Die einleitenden Fortissimo-Schläge im Orchester erinnern so unweigerlich an den Kanonendonner, die Europa in diesen Jahren erschütterten. Trotzdem triumphiert hier am Ende nicht die Angst vor dem Krieg, sondern so etwas wie die vorsichtige Zuversicht, dass er irgendwann vorbei sein wird.

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