Am 12. März erlebte ein neuer Musikfilm des DSO seine Premiere. Unter dem Titel ›IM KAMPF MIT DEM TEUFEL‹ erwecken der Regisseur Frederic Wake-Walker und Visual Artist Ergo Phizmiz die Operneinakter ›Sancta Susanna‹ von Paul Hindemith und ›Slzy Nože‹ (Die Tränen des Messers) von Bohuslav Martinů sowie das zeitgenössische Orchesterwerk ›Sinuous Voices‹ von Ondřej Adámek zu expressionistischem Leben. Durch beziehungsreiche Collagen und Animationen in Kombination mit sowohl im Green Screen Studio als auch im Kleinen Sendesaal des rbb im Februar gedrehten Aufnahmen wird eine assoziative Bildwelt eröffnet, die von den 1920er-Jahren inspiriert ist und Musik wie Inhalt kongenial vor Augen führt.

 

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Programm

Paul Hindemith ›Sancta Susanna‹ – Oper in einem Akt
Ondřej Adámek ›Sinuous Voices‹ für Instrumentalensemble
Bohuslav Martinů ›Slzy Nože‹ (Die Tränen des Messers) – Oper in einem Akt

Martinůs ›Tränen des Messers‹ und Adámeks ›Sinuous Voices‹ wurden am 19. und 20. Februar 2021 im Kleinen Sendesaal des rbb unter der Leitung Robin Ticciatis aufgezeichnet, die filmische Umsetzung von Hindemiths ›Sancta Susanna‹ beruht auf einem Konzertmitschnitt aus der Philharmonie von Deutschlandfunk Kultur vom April 2012 unter der Leitung von Hans Graf.

Mitwirkende

Robin Ticciati Dirigent
Hans Graf Dirigent 

Kateřina Kněžíková Sopran (Eleonora)
Markéta Cukrová Mezzosopran (Mutter)
Lucia Lucas Bassbariton (Satan)
Melanie Diener Sopran (Susanna, Hindemith)
Lioba Braun Mezzosopran (Klementia, Hindemith)
Ewa Wolak Alt (Alte Nonne, Hindemith)
Elisabeth-Marie Leistikow Sprecherin (Eine Magd, Hindemith)
Bastian von Bomches Sprecher (Ein Knecht, Hindemith)

Frederic Wake-Walker Regie
Ergo Phizmiz Collage, Animation und Design

Cantus Domus und ensemberlino vocale Chor 
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Über den Film

Den Auftakt des Films bildet der sich zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit bewegende, schillernde Einakter ›Sancta Susanna‹ Paul Hindemiths. Provokant inszeniert die in einem Nonnenkloster spielende Kurzoper die Grenzen zwischen erotischer und religiöser Ekstase. Das satanisch-sündige Begehren der Hauptfigur konzentriert sich auf niemand anderen als den Heiland am Kreuz. Für die Illustration erzeugt Ergo Phizmiz unter anderem durch Versatzstücke christlicher Ikonographie und anhand von Fotografien feministischer Hysterieforschung des frühen 20. Jahrhunderts eine surrealistisch geprägte, »konvulsivisch schöne« Erotik.

In Bohuslav Martinůs ›Die Tränen des Messers‹, der erst nach dem Tod des tschechischen Komponisten 1969 uraufgeführten surrealen Komödie, spielen erotisches Begehren und der Satan eine bedeutsame Rolle, wenn sich ein junges Mädchen in einen Erhängten verliebt und bei den Versuchen, ihn für sich zu gewinnen, immer wieder in den Armen des Satans landet. Mit der hochkarätigen Solistinnenriege wurden für diesen Teil des Films Aufnahmen unter der Regie von Frederic Wake-Walker in einem Green Screen Studio aufgenommen, die von Ergo Phizmiz in die Collage eingefügt wurden.

Ein instrumentales Scharnier zwischen den provokanten Musiktheaterstücken der 1920er-Jahre bildet das Orchesterwerk ›Sinuous Voices‹ von Ondřej Adámek. Der in Berlin lebende tschechische Komponist übersetzt darin seine persönlich-prägenden Erfahrungen mit Gesang und Stimmen in instrumentale Klänge. Er stellt der Welt der intimen Stimme, etwa im Gebet, eine extravertierte Welt gegenüber, etwa bei einer Demonstration, bei der eine Menschenmenge Parolen skandierend außer Kontrolle gerät.

Robin Ticciati: »Die Covid-19-Pandemie hat uns alle unausweichlich schockiert. Die natürliche menschliche Reaktion auf Alltagssituationen und unsere phatische Kommunikation haben sich zweifellos verändert – vielleicht für immer. Dies ist sicherlich der Grund, warum Martinůs Komposition und seine surrealistische Welt in ›Die Tränen des Messers‹ für mich mit dem DSO immer faszinierender – und besonders wichtig: spielerisch – wurden. Die Kurzoper gibt Einblicke in menschliche Wahrheiten, aber größtenteils ist sie ein einziger Aufruhr der post-dadaistischen Verwerfungen von Vernunft und Logik. Indem wir sie mit dem sexuellen Rausch von Hindemith und den verschlungenen Klängen von Adámek kombinieren, haben wir ein animiertes Triptychon für unseren DSO PLAYER geschaffen: einen Kampf mit dem Teufel, der leicht als ein Kampf mit uns selbst in dieser surrealen Zeit gedeutet werden könnte. Hindemith sprach davon, dass die ›alte Welt explodiert‹ und dass sie durch die Kunst erneuert und wiederhergestellt werden müsse ... Welchen besseren Moment als jetzt gibt es, um mit einem ausgeprägten Sinn für Erneuerung nach vorne zu schauen?«