Programm

Erich Wolfgang Korngold
Symphonie Fis-Dur

Erich Wolfgang Korngold
Thema aus der Filmmusik zu ›Kings Row‹

Bronisław Kaper
Ouvertüre aus der Filmmusik zu ›Mutiny on the Bounty‹

Miklós Rózsa
›The Love of the Princess‹ aus der Filmmusik zu ›The Thief of Bagdad‹

Bernard Herrmann
Suite aus der Filmmusik zu ›Psycho‹

Max Steiner
Suite aus der Filmmusik zu ›Gone with the Wind‹

Franz Waxman
›The Ride to Dubno‹ aus dem Film ›Taras Bulba‹

Mitwirkende

John Wilson

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Konzerteinführung als Podcast

Habakuk Traber im Gespräch mit Volker Michael von Deutschlandfunk Kultur

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Rarität in Fis-Dur  

»Zuerst war ich ein Wunderkind, dann war ich, bis Hitler kam, ein erfolgreicher Opernkomponist in Europa, und danach war ich Filmkomponist«, sagte Erich Wolfgang Korngold in einem Interview 1946. »Fünfzig ist sehr alt für ein Wunderkind. Ich fühle, dass ich jetzt eine Entscheidung treffen muss, wenn ich nicht bis zum Ende meines Lebens ein Hollywoodkomponist sein will.«

In den 20er-Jahren war Korngold mit ›Der Ring des Polykrates‹, ›Die tote Stadt‹ und ›Das Wunder der Heliane‹ binnen Kurzem zu einem der meistgespielten Opernkomponisten im deutschsprachigen Raum aufgestiegen, danach hatte er in Hollywood schlankerhand das erfunden, was wir heute als Filmmusik kennen – mit großem Orchester, stringenter Themenführung, symphonischer Durchformung. Musik als Teil eines Gesamtkunstwerks, mit der Handlung verwoben und nicht nur Beiwerk. »Man hat Korngold später oft vorgeworfen, seine Musik klinge nach Hollywood, obwohl es genau umgekehrt ist«, erzählt der Dirigent John Wilson. »Bevor er 1934 nach Los Angeles kam, klang Hollywood nach gar nichts, und danach haben ihn plötzlich alle imitiert.«

Ende der 40er-Jahre nahm Korngold keine Filmaufträge mehr an, reiste wieder nach Europa und versuchte vergeblich, endlich wieder als Komponist absoluter Musik ernst genommen zu werden. Er litt darunter, dass er mit dem Violinkonzert und der Fis-Dur-Symphonie keinen nachhaltigen Anklang im Konzertsaal fand. Das Stigma als Filmmusiker war sicherlich ein Grund. Auch ging die Avantgarde nun anderer Wege, die Erfolgsklänge der Vorkriegszeit galten nicht selten als spätromantischer Schwulst. Zudem hatte man ihn in der Dekade seines erzwungenen Exils schlicht vergessen – ein Schicksal, das er mit etlichen anderen jüdischen Komponisten seiner Generation teilte, die von den Nationalsozialisten verfemt, vertrieben und ermordet worden waren. Es sollte vier Jahrzehnte dauern, bis die sinnliche, rauschhafte Zaubermusik der Wiener Moderne wieder auf die Spielpläne zurückkehrte. Das DSO hatte mit Konzerten und Referenzeinspielungen seit den 80er-Jahren einigen Anteil an der Wiederentdeckung, die dem Werk von Korngold, Franz Schreker, Alexander Zemlinsky und anderen zuteilwurde.

Affirmation von Schönheit
Korngold schrieb seine Symphonie in der eher ungewöhnlichen Tonart Fis-Dur – wie sie auch in Mahlers Fragment der Zehnten und Messiaens ›Turangalîla‹ aufscheint –, die zudem ständig nach Moll und zurück wechselt. Sie erlebte ihre Vollendung 1952 in Los Angeles, kehrte nach einer mittelmäßigen Wiener Premiere 1954, die Korngold nicht selbst dirigieren konnte, aber erst 1972 auf das Konzertpodium zurück und ist immer noch selten zu hören. Völlig zu Unrecht, wie John Wilson findet: »Bei Korngold geht es um die Affirmation von Schönheit in der Musik. Er konnte mit Zwölftonmusik einfach nichts anfangen. Doch auch wenn er seinem tonalen Stil im Spätwerk treu blieb, gibt es darin eine gewisse Kantigkeit, die eher für Zwölftöner typisch war. Gerade am Anfang des ersten Satzes spielt er seine ganz eigene Variante von Dodekaphonie durch – als wollte er demonstrieren, dass man diese Elemente auch im tonalen Rahmen anwenden kann. Die Symphonie folgt der Tradition, ist aber unglaublich innovativ. Das brillante Scherzo ist eine wahre Tour de force, und das Adagio wahrscheinlich der beste Satz, den Korngold jemals geschrieben hat.«

Klangwelten
John Wilson versteht wohl wie kaum ein anderer die Zerrissenheit, die der Korngold-Rezeption bis heute anhaftet. Auch er ist ein Wanderer zwischen Welten, die für ihn selbst zusammengehören, lehnt er die Trennung zwischen »Ernster« und »Unterhaltungsmusik« doch vehement ab. Bereits während seiner Studienzeit am Royal College of Music gründete er das John Wilson Orchestra, um Filmmusik vergangener Zeiten wieder zum Leben zu erwecken. Bis heute genießt es nicht nur bei den BBC Proms Kultstatus. Zugleich ist er regelmäßig bei britischen und europäischen Klangkörpern zu Gast und macht sich seit einigen Jahren einen Namen als Operndirigent.

Korngold und die Folgen
Für den zweiten Teil des Konzerts am 6. März hat Wilson folgerichtig Auszüge aus Filmmusiken aufs Programm gesetzt. Erich Wolfgang Korngold, der Schöpfer des klassischen Hollywood- Sounds, steht mit ›Kings Row‹ von 1942 am Anfang, einer Partitur, die Generationen von Filmkomponisten nach ihm geprägt hat. Ihr folgen Auszüge aus den Soundtracks Bronisław Kapers zu ›Mutiny on the Bounty‹ (1962), Miklós Rózsas zu ›The Thief of Baghdad‹ (1940), Bernard Herrmanns zu ›Psycho‹ (1960) und Max Steiners zu ›Gone with the Wind‹ (1939). Ungewohnte Klangwelten beim DSO – und durchaus eine Entdeckung wert.

MAXIMILIAN RAUSCHER

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Donnerstag, 17.03.2022 | 20.03 Uhr

Deutschlandfunk-Kultur
So 6 Mär '22

20 Uhr
Einführung mit Habakuk Traber vorab als Podcast

Philharmonie Berlin

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