Konzert gegen Rassismus: Uri Caines ›The Passion of Octavius Catto‹ als Europäische Erstaufführung am So., 15.06.
Zuvor: Jessie Montgomerys ›Hymn for Everyone‹ und Mendelssohns ›Reformationssymphonie‹
Am Sonntag, den 15. Juni setzt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO) mit einem außergewöhnlichen Programm ein starkes Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus. In ›The Passion of Octavius Catto‹ erzählt der US-amerikanische Pianist und Komponist Uri Caine von der rassistisch motivierten Ermordung des Bürgerrechtsaktivisten Catto. Unter der Leitung von André Raphel bringt das DSO das Werk – eine eindrucksvolle Synthese aus Klassik, Avantgarde, Gospel und Jazz – zur Europäischen Erstaufführung, gemeinsam mit einem Jazz-Trio um Uri Caine, der Sängerin Barbara Walker, dem BiPoC-Vokalensemble ›A Song for You‹ sowie dem Bundesjugendchor. Vielsagend ergänzt wird das Programm durch Jessie Montgomerys ›Hymn for Everyone‹ und Mendelssohns ›Reformationssymphonie‹. Das Konzert ist ein Beitrag zur Kampagne ›Orchester für die Demokratie‹ des Deutschen Bühnenvereins und wird durch das Programm ›Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland‹ gefördert.
Am 10. Oktober 1871, dem Tag der Bürgermeisterwahl in Philadelphia, wurde der US-amerikanische Bürgerrechtsaktivist, Pädagoge und Baseballspieler Octavius Catto auf seinem Weg ins Wahllokal vom weißen Rassisten Frank Kelly ermordet. Mehr als 140 Jahre später, in einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Spannungen in den USA und im Schatten der ›Black Lives Matter‹-Bewegung, schreibt Uri Caine ihm eine moderne Passion u. a. mit Texten von Catto – nicht nur als musikalisches Porträt, sondern als klare Stellungnahme gegen Rassismus und für Gerechtigkeit. Caine lehnt sein Werk in der Form, den wechselnden Stimmungen und Instrumentierungen an barocke Passionen etwa von Johann Sebastian Bach an. Für den Sound greift er vor allem auf das vielfältige Erbe afroamerikanischer Musiktraditionen wie Gospel, Jazz aber auch Funk zurück. Aus dieser Vielfalt schöpft auch die Zeitgenossin Jessie Montgomery, die dem DSO-Publikum auch in der kommenden Spielzeit im Rahmen des Programmschwerpunkts ›Afrodiaspora – Composing While Black‹ noch öfters begegnen wird. Sie eröffnet den Abend mit ihrer ›Hymn for Everyone‹, eine musikalische Geste des Zusammenhalts und eine »Meditation für Orchester«. Von humanistischen Ideen ist auch Mendelssohns Fünfte Symphonie durchdrungen, die im Anschluss erklingt. Sie entstand anlässlich des 300. Jubiläums der Augsburger Konfession und erinnert an die Kraft von Glauben und kultureller Identität in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche.
Uri Caine ist Komponist und Pianist und tief verwurzelt mit seiner Heimatstadt Philadelphia. Er veröffentlichte über 30 Alben, darunter Solo-Einspielungen und Ensembleprojekte aus Jazz und Klassik. 2009 wurde er für ›The Othello Syndrome‹ für einen Grammy nominiert, 2003 war er Direktor der Biennale von Venedig. Kompositionsaufträge erhielt er u. a. von der Volksoper Wien, dem Concerto Köln und dem Philadelphia Orchestra. In ›The Passion of Octavius Catto‹ trägt er selbst Klavierimprovisationen bei. – André Raphel leitet das Hudson Valley Symphony Orchestra und arbeitete mit allen großen amerikanischen Klangkörpern sowie u. a. mit den Bamberger Symphonikern und der Auckland Philharmonia zusammen. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit nehmen sein umfassendes pädagogisches und gesellschaftliches Engagement ein. Er dirigierte die Uraufführung von ›The Passion of Octavius Catto‹ mit dem Philadelphia Orchestra sowie weitere Aufführungen mit dem Boston Symphony. Beim DSO ist er erstmals zu Gast.
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