Wir trauern um Ulrich Eckhardt, den Künstler, Kulturmanager und langjährigen Intendanten der Berliner Festspiele. Er starb am 30. Dezember im Alter von 91 Jahren. Als Jurist, Pianist und Dirigent ausgebildet, prägte er das Berliner Kulturleben seit den frühen 1970er-Jahren nachhaltig. Als Intendant leitete er die Berliner Festwochen von 1973 bis 2000 und führte sie durch zwei entscheidende Wendezeiten: zu Anfang seiner Amtszeit schuf er den Übergang von der Politik der Konfrontation zur Politik der Entspannung, bereits vor 1989 legte er Grundlagen für die Überwindung der deutschen Teilung unter europäischem Horizont. Dabei bewies er sich nicht nur in kulturellen Fragen, sondern auch politisch als Visionär, der das als richtig und notwendig Erkannte mit der erforderlichen Hartnäckigkeit realisierte. Dabei überwand er oft Widerstände, die zunächst unlösbar schienen, etwa bei der Einladung osteuropäischer Künstler:innen und Ensembles in den späten 1980er-Jahren. Seine Überzeugung, dass Kultur Entscheidendes bewegen könne, leitete ihn dabei. Sie beruhte auf einer tiefen Leidenschaft für die Künste, insbesondere für die Musik.
Im Engagement für das Neue, Unentdeckte, Verdrängte war Ulrich Eckhardt sozusagen ein natürlicher Freund des DSO (das bis 1993 RSO Berlin hieß). Viele wichtige Uraufführungen vertraute er dem moderne-erfahrenen Orchester an. Bei Schwerpunkten wie der Musik aus dem Exil, dem Blick auf die jüdische Traditionen oder der Auseinandersetzung mit osteuropäischer Avantgarde des 20. Jahrhunderts konnte er sich auf Engagement und Mitwirkung des Orchester verlassen. Weit über seine Intendanz hinaus – sie umfasste bei seinem Abschied im Jahr 2000 mehr als die halbe Geschichte des 1950 gegründeten Festivals – blieb er dem Orchester und seinen Musiker:innen verbunden. Er stand dem DSO mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die Lösung schwieriger künstlerischer und existenzieller Fragen ging. Im Buch zum 50-jährigen Bestehen des Orchesters entwickelte er aus seiner Managererfahrung Umrisse für die Gestaltung eines künftigen Musiklebens. Im Dramaturgenteam von Kent Nagano (Chefdirigent des DSO von 2000 bis 2006) brachte er seine konzeptionellen Ideen ein, die von historischem Weitblick gekennzeichnet waren. Als er sich nach seiner Zeit als Musikermöglicher wieder stärker dem eigenen Musizieren zuwandte, konzertierte er häufig mit Musiker:innen des DSO. Das Orchester würdigte Ulrich Eckhardts Engagement, indem es ihn zum Ehrenmitglied ernannte.
Ulrich Eckhardts Lebensleistung wirkt weiter. Wir bewahren ihm ein ehrendes Andenken.