19.15 Uhr Einführung

A – Wochenendserie, Wahl-Abo

Übertragung

Termin wird noch bekannt gegeben

Deutschlandfunk Kultur

Programm

Lili Boulanger
›D’un soir triste‹ für Orchester

Igor Strawinsky
›Psalmensymphonie‹ für Chor und Orchester

Lili Boulanger
Psalm 130 ›Du fond de l’abîme‹ für Mezzosopran, Tenor, Chor und Orchester

Leonard Bernstein
›Chichester Psalms‹ für Knabensolo, Chor und Orchester

Mitwirkende

Ingo Metzmacher Dirigent

  • Catriona Morison Mezzosopran
  • Solist des Staats- und Domchores Berlin Knabenalt

Rundfunkchor Berlin
Martina Batic Choreinstudierung

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Zum Konzert

Im Angesicht des Todes schreibt Lili Boulanger 1917 das vielleicht wichtigste und beeindruckendste Werk ihres nur 24 Jahre kurzen Lebens: ›D’un soir triste‹ – »Eines traurigen Abends« – trägt bereits das Programm im Titel. Gleich die ersten Akkorde erheben sich wie ein schweres Atmen aus den Tiefen der Streicherregister. Zarte, hoffnungsvolle Solostimmen werden von schmerzverzerrten Harmonien und Blechkaskaden jedes Mal aufs Neue wie eiskalte Wellen überspült – und nach nicht einmal vier Minuten klopft (möglicherweise) der Tod selbst ans Fenster. Die Komponistin war zu dieser Zeit zum Aufschreiben schon zu schwach und diktierte diese ungeheuer ausdrucksstarke Musik ihrer Schwester Nadia.

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Im gleichen Jahr arbeitet Lili Boulanger parallel an den letzten Zügen ihrer Psalmenvertonung ›Du fond de l’abîme‹ (Aus der Tiefe), mit der sie bereits 1910 angefangen hatte. Ihre schwere Krankheit machte sie zur gläubigen Katholikin – der 130. Psalm ›De profundis‹ spiegelt noch eine zarte Sehnsucht nach Heilung wider. Sie widmet das Werk ihrem Vater, der 17 Jahre zuvor verstorben war. Gleichzeitig drängt sich beim Hören unweigerlich der Eindruck auf, dass sie hier ihren eigenen nahenden Tod verarbeitet.

Igor Strawinskys und Leonard Bernsteins Psalmenvertonungen – die ›Psalmensymphonie‹ und die ›Chichester Psalms‹ – haben eine deutlich weniger autobiografische Kraft als Boulangers Werke. Mit der geistlichen Poesie aus Tanach und Altem Testament greift Strawinsky nach einem entfernten Paradies und verbindet verschiedene kirchenmusikalische Traditionen miteinander zu einer für seine Zeit ungewöhnlichen und atmosphärischen Vertonung. Bernstein wiederum kehrt nach einem Jahr der zwölftönigen Versuche mit den lebensbejahenden ›Chichester Psalms‹ voller Überzeugung zurück in strahlendes, und, wie er schreibt, leicht »altbackenes« B-Dur.

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Catriona Morison

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