Programm

Pjotr Tschaikowsky
›Francesca da Rimini‹

Camille Saint-Saëns
Violoncellokonzert Nr. 1 a-Moll

Dmitri Schostakowitsch
Symphonie Nr. 9 Es-Dur

Mitwirkende

Tugan Sokhiev

  • Victor Julien-Laferrière – Violoncello

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Truls Mørk musste seine Mitwirkung am Konzert am 11.5. aus gesundheitlichen Gründen leider absagen. Wir freuen uns sehr, dass sich der Cellist Victor Julien-Laferrière bereiterklärt hat, für ihn einzuspringen. Das Programm bleibt unverändert.

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Künstlerische Partnerschaft

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Camille Saint-Saëns war das, was man heute wohl als Universalgenie bezeichnen würde: Philosoph und Logiker, Mathematiker und anerkannter Astronom, Maler und viel gelesener Dichter – und, als wäre all dies nicht genug, auch ein begnadeter Pianist, überragender Organist, gefragter Dirigent und einer der prägendsten Komponisten seiner Zeit. In der Art eines französischen Mozarts schrieb Saint-Saëns schon als sechsjähriges Wunderkind seine ersten Stücke, gab mit elf am Klavier öffentliche Konzerte, brachte mit 15 Jahren seine erste Symphonie zu Papier. Insgesamt hinterließ Camille Saint-Saëns über 700 Werke.

Eine Institution am Cello
Saint-Saëns’ besonderer Liebe zum Violoncello verdanken wir einige der beliebtesten Werke des Repertoires. Und damit sind nicht nur die unsterblich gewordenen romantisch- melodiösen Kantilenen des ›Schwans‹ aus seinem berühmten ›Karneval der Tiere‹ gemeint. Auch sein Erstes Cellokonzert aus dem Jahr 1872 gehört zu den Paradestücken der Literatur. Schon Rachmaninoff und Schostakowitsch zählten es zu den besten seiner Gattung, und Hörer wie Interpreten unterschreiben bis heute gern Hans von Bülows Urteil, es sei voller »Technik und Eleganz, bon sens und Originalität, Logik und Anmut«. Eröffnet nur mit einem kurzen Akkord des Orchesters, stürzt sich das Cello sofort in den leidenschaftlichen Fluss und die fiebrige Atmosphäre dieses einsätzigen Konzerts. Spielerisch verbindet Saint-Saëns träumerisch-lyrische Passagen mit den brillant perlenden Läufen und virtuosen Tonkaskaden des Cellos. Als einer der renommiertesten Solisten seines Fachs interpretiert der norwegische Cellist Truls Mørk am 11. Mai dieses Meisterwerk gemeinsam mit dem DSO. Mørk, den SZ-Redakteur Harald Eggebrecht einmal als »Institution am Cello« bezeichnete, verbindet mit dem Orchester eine lange künstlerische Partnerschaft: Schon 2012 begeisterte er unter Tugan Sokhievs Leitung mit Brahms’ Doppelkonzert, fünf Jahre später war er mit Nikolai Mjaskowskis Konzert unter Vladimir Ashkenazy zu Gast. Nachdem sein letzter geplanter Auftritt mit Edward Elgars spätromantischem Cellokonzert im März 2020 durch die Pandemie vereitelt wurde, kehrt er nun wieder zurück an die Seite des DSO.

Von der widerständigen Kraft der Musik
Auch am Pult gibt es ein Wiedersehen – mit Tugan Sokhiev, der nach Kent Nagano und Ingo Metzmacher der dritte ehemalige Chefdirigent ist, der sich anlässlich der DSO-Jubiläumssaison zum 75. Geburtstag des Orchesters die Ehre gibt. Schon in seiner Amtszeit von 2012 bis 2016 verschrieb sich Sokhiev besonders dem französischen und dem russischen Repertoire. Und so bettet er auch Saint-Saëns’ Cellokonzert in zwei Werke der russischen Orchesterliteratur ein: Eröffnet wird der Abend mit Tschaikowskys Symphonischer Dichtung ›Francesca da Rimini‹, die klanggewaltig Dantes ›Inferno‹ entfesselt. In einem mitreißenden Tableau von poetischer Zartheit bis hin zu wilden Höllenstürmen spiegelt Tschaikowsky die ehebrecherische Liebe Francescas zum Bruder ihres Mannes, die im grausamen Doppelmord der Liebenden und schließlich in ewiger Verdammnis endet.

Den Abschluss des Konzerts bildet Dmitri Schostakowitschs Neunte Symphonie – eine Nummerierung, die aufhorchen lässt, erinnert sie doch unmittelbar an Beethovens Letzte, jene weltumarmende Apotheose der Brüderlichkeit. Tatsächlich erwartete Stalin nach Schostakowitschs Siebter, der ›Leningrader‹ Symphonie, die unter den Eindrücken des Zweiten Weltkriegs als patriotisches Fanal gegen den Faschismus entstand, und seiner finsteren Achten aus dem Jahre 1943, nun nach dem Sieg der Sowjetunion eine Hymne auf ihren Anführer. Doch Pathos und Huldigungschöre sucht man vergebens in diesem antiheroischen, fast schon verspielten Werk. Mit Witz und Schärfe persifliert Schostakowitsch, der als Künstler immer wieder die Ungnade des stalinistischen Machtapparats zu spüren bekam, jegliche Art von Triumphklängen und gibt Zeugnis von der widerständigen Kraft der Musik, die sich politischen Plattitüden verweigert.

ELISABETH KÜHNE

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Sonntag, 22.05.2022 | 20.03 Uhr

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