Are you trippin’?

19.15 Uhr Einführung

C – ›Entdeckungen‹, Wahl-Abo

19.15 Uhr Einführung

D – Serie ›Virtuoso‹, Wahl-Abo

Übertragung

Termin wird noch bekannt gegeben

Deutschlandfunk Kultur

Programm

Grażyna Bacewicz
Ouvertüre

Henri Dutilleux
›Tout un monde lointain …‹ für Violoncello und Orchester

Hector Berlioz
›Symphonie fantastique‹

Mitwirkende

Kazuki Yamada Dirigent

  • Jean-Guihen Queyras Violoncello

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

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Die gesamte Kraft eines großen symphonischen Werks entlädt sich hier in nur sechs Minuten: Grażyna Bacewiczs Ouvertüre stürzt schon mit einem fulminanten Allegro in den Raum, mit Paukenschlägen, rasanten Melodien und feurigen Einwürfen, bettet ein besinnliches Andante zwischen rasante Crescendi und die triumphalen letzten Akkorde. 1943 komponiert, während der nazideutschen Besatzung Warschaus, kann das Stück zunächst nicht aufgeführt werden – es erlebt seine Premiere erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs: 1945, beim Krakauer Festival für zeitgenössische Musik.

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In eine davon »ganz entfernte Welt« will Henri Dutilleux’ Cellokonzert entführen. Der Komponist lässt sich dabei von Texten leiten, die Charles Baudelaire im Zweiten Kaiserreich unter Napoleon formulierte – über das »Gift, das fließt aus den grünen Augen« oder »unsere zwei Herzen«, die »wie zwei riesige Fackeln sein« werden. Sein Hauptwerk ›Fleurs du Mal‹, die ›Blumen des Bösen‹, ist den Zeitgenoss*innen entweder zu unpolitisch, zu sozialistisch oder zu unsittlich, wegen einiger Gedichte wurde der Autor der Gotteslästerung und Beleidigung angeklagt. Dutilleux nun stellt seinen Sätzen Ausschnitte aus dem Band voran und spielt mit den verruchten und dunklen Anklängen der Worte. Dabei spinnt der Komponist keine plakative Programmmusik, sondern spielt – für das Soloinstrument teilweise an der Grenze des Spielbaren – mit Assoziationen, Erinnerungen und Andeutungen.

Auch in Berlioz’ epochaler ›Symphonie fantastique‹ spielen Visionen, Fantasien und Empfindsamkeit eine große Rolle: Der Protagonist vergiftet sich in seiner Verzweiflung mit Opium, stirbt allerdings nicht, sondern fällt in einen albtraumhaften Schlaf. Sein Gehirn wird zum Hallraum für groteske und beängstigende Szenen, wilde Liebe und Wahnsinn. Aus dem Höllenlabyrinth heraus führt nur eins: religiöser Trost, der in sakral codierten Skalen und Akkorden aus dem orchestralen Galopp herauswächst.

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