Programm
Unsuk Chin
›Puzzles and Games‹ für Sopran und Orchester aus der Oper ›Alice in Wonderland‹
Gustav Mahler
Symphonie Nr. 4 G-Dur
Mitwirkende
Zum Konzert
»Kein originelles Fühlen … Technik, Berechnung und innere Verlogenheit, eine kränkliche, abschmeckende Übermusik«, empörte sich ein Kritiker im November 1901 bei der Uraufführung von Mahlers Vierter in München. Auch das Publikum war enttäuscht. Nach der gewaltigen Kraftentfaltung seiner vorherigen Wunderhorn-Symphonien Nr. 2 und 3 hinterließ die symphonische Idylle mit ihren vier Sätzen und ohne Posaunen und Tuba einen »wenig erquicklichen Eindruck«. Nach außen hin schien Mahler unbeeindruckt. Sein Werk hielt er für eine »Humoreske«. An seine Verlobte Alma Schindler schreibt er: »Im Allgemeinen habe ich die Erfahrung gemacht, dass Humor dieser Sorte (wohl zu unterscheiden von Witz und muntrer Laune) selbst von den besten nicht erkannt wird.« Von Theodor Adorno wiederum stammt die Aussage, Mahlers Vierte Symphonie sei ein Meisterwerk des »Als-Ob von der ersten bis zur letzten Note«. Nichts sei eben so gemeint, wie es an der Oberfläche aussieht. Für ihn bleibt Mahler der ultimative Meister der Ironie. Wie auch immer: Mahler Symphonien kann man mögen oder nicht. Die einen leiden mit, verstehen die Einsamkeit, lieben ihre Schwermut. Die anderen finden sie überspannt, maßlos, hysterisch. In der heute sehr populären Vierten, ist alles nicht so schlimm: »Wir genießen die himmlischen Freuden«, heißt es im Finale. Missverstanden fühlt sich Unsuk Chin in ›Puzzles and Games‹ aus ihrer Erfolgsoper ›Alice in Wonderland‹ nicht. Dafür ist die Trägerin des Ernst von Siemens-Musikpreises von 2024 derzeit zu erfolgreich.