Deutsches Symphonie-Orchester Berlin © Thomas Meyer | Ostkreuz
|
|
Gründung durch den RIAS
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin blickt auf eine mehr als sechzigjährige Tradition als Berliner Radio- und Konzertorchester zurück. Gegründet wurde es 1946 als RIAS-Symphonie-Orchester vom Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS). Ferenc Fricsay setzte als erster Chefdirigent des Orchesters Maßstäbe im Repertoire, im Klangideal und in der Medienpräsenz. Musik des 20. Jahrhunderts bildete in der Programmgestaltung von Anfang an eine feste Größe neben den Interpretationen des klassischen Repertoires, die sich durch Transparenz, strukturelle Prägnanz und Plastizität auszeichneten.
Vom RSO zum DSO
Ab 1956 beteiligte sich der Sender Freies Berlin (heute Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb) an der Trägerschaft des Orchesters. Es änderte daher seinen Namen in Radio-Symphonie-Orchester Berlin (RSO). In Berlin und auf zahlreichen Tourneen, mit Rundfunk- und Fernsehproduktionen, seinen Programmen wie durch bedeutende Dirigenten, die es an sich zu binden verstand, erwarb es sich einen exzellenten Ruf. Nach Ferenc Fricsays allzu frühem Tod übernahm der junge Lorin Maazel im Jahr 1964 die künstlerische Verantwortung für das Orchester. Es folgten 1982 Riccardo Chailly und 1989 Vladimir Ashkenazy.
Um Verwechslungen in der erweiterten Kulturszene des wiedervereinten Berlin zu vermeiden, entschloss sich das Orchester, seinen gut eingeführten Namen zugunsten des heutigen aufzugeben. Seit 1993 heißt es Deutsches Symphonie-Orchester Berlin (DSO). Mit dem 1. Januar 1994 wurde die bestehende RSO GmbH zur Rundfunk Orchester und Chöre GmbH (roc berlin) erweitert. Deren Gesellschafter sind Deutschlandradio (40%), die Bundesrepublik Deutschland (35%), das Land Berlin (20%) und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (5%).
Die Ära Kent Nagano
Mit der Saison 2000|2001 wurde Kent Nagano zum Chefdirigenten und Künstlerischen Leiter berufen. Er führte das Orchester zu Engagements bei den Salzburger Festspielen, im Baden-Badener Festspielhaus und im Pariser Théâtre du Châtelet. Mehrere der dabei entstandenen Opernproduktionen erschienen auf DVD: Wagners ›Lohengrin‹ und ›Parsifal‹ aus dem Festspielhaus Baden-Baden sowie Schrekers ›Die Gezeichneten‹ von den Salzburger Festspielen, alle in der Regie von Nikolaus Lehnhoff. 2006 nahm Kent Nagano seinen Abschied, bleibt dem Orchester aber als Ehrendirigent verbunden.
Ingo Metzmacher: Gegenwart und Zukunft
Seit der Spielzeit 2007|2008 ist Ingo Metzmacher Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des DSO. Am 7. September 2007, an dem sich das erste öffentliche Auftreten des Orchesters zum sechzigsten Mal jährte, leitete er sein erstes Konzert als Chefdirigent im Großen Sendesaal des rbb. Seine Jahresprogramme mit dem DSO zeichnen sich durch übergreifende Themenschwerpunkte aus. Unter dem Titel ›Von deutscher Seele‹ begab sich Ingo Metzmacher in seiner ersten Spielzeit auf die Suche nach der besonderen Beziehung des Deutschen zur Musik. Im Rahmen dessen standen sich unter anderem Hans Pfitzners gleichnamige Kantate und Kurt Weills Oper ›Der Silbersee‹ (in einer konzertanten Aufführung) gegenüber. Mit der Themenreihe ›Aufbruch 1909‹ spürte Ingo Metzmacher in seiner zweiten Saison mit dem DSO den Umwälzungen der Zeit zwischen 1900 und dem Ersten Weltkrieg nach, in der Arnold Schönberg das bis dahin geltende System aus Dur und Moll endgültig sprengte. Komponisten unterschiedlicher Herkunft rückten dabei in den Fokus und vermittelten ein differenziertes Bild des Aufbruchs in die musikalische Moderne. Mit Konzerten im Berliner Kunsthaus Tacheles und der Fortführung des von Ingo Metzmacher eingeführten jungen Konzertformats der Casual Concerts werden die Offenheit des Orchesters und das Bemühen um neue Hörergruppen unterstrichen. Die Spielzeit 2009|2010 überschreibt der Chefdirigent und Künstlerische Leiter mit ›Versuchung‹.
Das DSO in den Medien
Nahezu alle Symphoniekonzerte des DSO in der Berliner Philharmonie werden von Deutschlandradio oder dem Rundfunk Berlin-Brandenburg aufgezeichnet und in Deutschland sowie über die ›European Broadcasting Union‹ regelmäßig auch europaweit gesendet. Ausgewählte Auslandskonzerte werden zudem von der Deutschen Welle, dem deutschen Auslandssender, für Rundfunk und Fernsehen mitgeschnitten und weltweit verbreitet. Unter den CD-Veröffentlichungen der letzten Jahre fanden die Reihe ›Entartete Musik‹, bei ›Decca‹ erschienen, Beachtung sowie zahlreiche Einspielungen für ›harmonia mundi france‹. Unter der Leitung Kent Naganos wurden Symphonien von Anton Bruckner, Johannes Brahms und Gustav Mahler sowie die für den Grammy nominierte ›Mass‹ von Leonard Bernstein aufgenommen. 2006 produzierte die Deutsche Welle die sechsteilige DVD-Serie ›Monumente der Klassik‹, die vorab im weltweit empfangbaren Programm des Senders und mittlerweile auch im Kino ausgestrahlt wurde. Mit Ingo Metzmacher etablierte sich eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Label ›Phoenix Edition‹. Im Oktober 2008 erschien hier die von der Presse hoch gelobte Interpretation der Kantate Hans Pfitzners ›Von deutscher Seele‹.
Das DSO auf Reisen
Neben seinem traditionell ambitionierten Konzertprogramm in der Berliner Heimat ist das DSO kontinuierlich im Rahmen zahlreicher Gastspiele im nationalen und internationalen Musikgeschehen präsent; regelmäßig tritt es auch in Zusammenarbeit mit der Deutschen Welle und dem Auswärtigen Amt als Kulturbotschafter in Erscheinung. Gastspielreisen führten das Orchester in den Libanon, nach Russland, Asien, Nord- und Südamerika. In der jüngeren und jüngsten Vergangenheit nahm das DSO Gastspiele an Orten wie Abu-Dhabi, Hongkong, Kuala Lumpur, Moskau, Peking und Tokio wahr und gab zahlreiche Tourneekonzerte in Osteuropa. Auch in der Saison 2009|2010 tritt das Orchester im nationalen und internationalen Musikgeschehen auf. Einen Höhepunkt bildete eine ausgedehnte Festivaltournee im Sommer 2009 mit Konzerten beim Rheingau Musik Festival, dem Kunstfest Weimar, dem Edinburgh International Festival, den Meraner Musikwochen, dem Festival ›Sagra Musicale Malatestiana‹ in Rimini und dem Eröffnungskonzert des Beethovenfests Bonn. Weitere Konzerte führen das Orchester im März 2010 in den Wiener Musikverein, die Salle Pleyel in Paris, den Palais des Beaux Arts in Brüssel und in die Warschauer Philharmonie. Im Sommer 2010 wird das DSO unter Ingo Metzmacher die Salzburger Festspiele mit der Uraufführung der Oper ›Dionysos‹ von Wolfgang Rihm eröffnen.
Stand: Dezember 2009
|
|