Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin
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Gründung durch den RIAS
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin blickt 2011 auf eine 65-jährige Tradition als Berliner Radio- und Konzertorchester zurück. Gegründet wurde es 1946 als RIAS-Symphonie-Orchester vom Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS). Ferenc Fricsay setzte als erster Chefdirigent des Orchesters Maßstäbe im Repertoire, im Klangideal und in der Medienpräsenz. Musik des 20. Jahrhunderts bildete in der Programmgestaltung von Anfang an eine feste Größe neben den Interpretationen des klassischen Repertoires, die sich durch Transparenz, strukturelle Prägnanz und Plastizität auszeichneten.
Vom RSO zum DSO
Ab 1956 beteiligte sich der Sender Freies Berlin (heute Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb) an der Trägerschaft des Orchesters. Es änderte daher seinen Namen in Radio-Symphonie-Orchester Berlin (RSO). In Berlin und auf zahlreichen Tourneen, mit Rundfunk- und Fernsehproduktionen, seinen Programmen wie durch bedeutende Dirigenten, die es an sich zu binden verstand, erwarb sich das RSO einen exzellenten Ruf. Nach Ferenc Fricsays frühem Tod übernahm der junge Lorin Maazel 1964 die künstlerische Verantwortung für das Orchester. Es folgten 1982 Riccardo Chailly und 1989 Vladimir Ashkenazy. Um Verwechslungen in der erweiterten Kulturszene des wiedervereinten Berlin zu vermeiden, entschloss sich das Orchester, seinen gut eingeführten Namen zugunsten des heutigen aufzugeben. Seit 1993 heißt es Deutsches Symphonie-Orchester Berlin (DSO). Mit dem 1. Januar 1994 wurde die bestehende RSO GmbH zur Rundfunk Orchester und Chöre GmbH (roc berlin) erweitert. Deren Gesellschafter sind Deutschlandradio (40%), die Bundesrepublik Deutschland (35%), das Land Berlin (20%) und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (5%).
Das DSO im neuen Jahrtausend
Mit der Saison 2000|2001 wurde Kent Nagano zum Chefdirigenten und Künstlerischen Leiter berufen. Er führte das Orchester zu Engagements bei den Salzburger Festspielen, im Baden-Badener Festspielhaus und im Pariser Théâtre du Châtelet. Mehrere der dabei entstandenen Opernproduktionen erschienen auf DVD: Wagners ›Lohengrin‹ und ›Parsifal‹ aus dem Festspielhaus Baden-Baden und Schrekers ›Die Gezeichneten‹ von den Salzburger Festspielen, alle in der Regie von Nikolaus Lehnhoff. 2006 nahm Kent Nagano seinen Abschied, er bleibt dem Orchester aber als Ehrendirigent verbunden.
In der Spielzeit 2007|2008 wurde Ingo Metzmacher Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des DSO. Seine Jahresprogramme mit dem DSO zeichneten sich durch übergreifende Schwerpunkte aus. Nach den Themenreihen ›Von deutscher Seele‹ und ›Aufbruch 1909‹ ging Ingo Metzmacher in seiner dritten und letzten Saison mit dem DSO den Spielarten der ›Versuchung‹ als Triebkraft und Topos der Musik nach. Mit Konzerten im Berliner Kunsthaus Tacheles und der Einführung des jungen Konzertformats der Casual Concerts unterstrich Ingo Metzmacher die Offenheit des Orchesters und die Ansprache neuer Hörergruppen. Das Konzertjahr 2009 entwickelte sich mit einer Auslastungszahl von 84 % bei insgesamt 51 Symphoniekonzerten in Berlin zu einem der erfolgreichsten in der Geschichte des Orchesters.
Ins Zentrum der Spielzeit 2010|2011 stellt Orchesterdirektor Alexander Steinbeis eine Konzertreihe zum Thema ›Nachtgestalten‹. Durch Kammerkonzerte in der Villa Elisabeth in Berlin Mitte und eine Kooperation mit der ›Stiftung Preußischer Kulturbesitz‹ bleibt sich das DSO in der Erschließung neuer attraktiver Spielorte treu.
Tugan Sokhiev: Gegenwart und Zukunft
Tugan Sokhiev tritt mit Beginn der Saison 2012|2013 sein Amt als siebter Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO) für zunächst vier Jahre an. Bereits ab der Konzertsaison 2010|2011 trägt er den Titel des Designierten Chefdirigenten. Drei Mal leitete er in der Vergangenheit das DSO, zum ersten Mal 2003, damals 25-jährig, in der Reihe ›Debüt im Deutschlandradio Kultur‹. Am 10. und 11. November 2007 dirigierte er Rachmaninoffs Symphonische Tänze mit großem Erfolg, zwei Jahre danach, am 6. Dezember 2009, hinterließ er einen mindestens ebenso nachhaltigen Eindruck, insbesondere mit seiner Interpretation von Tschaikowskys Fünfter Symphonie. Sie »geriet unter der gleichermaßen präzisen wie aufwühlenden Leitung Sokhievs zu einem flammenden Appell für die Kunst« (rbb Kulturradio).
Das DSO in den Medien
Die Symphoniekonzerte des DSO in der Berliner Philharmonie werden von Deutschlandradio und dem rbb aufgezeichnet und in Deutschland sowie über die ›European Broadcasting Union‹ regelmäßig auch europaweit und darüber hinaus gesendet. Ausgewählte Auslandskonzerte werden zudem von der Deutschen Welle, dem deutschen Auslandssender, für Rundfunk und Fernsehen mitgeschnitten und weltweit verbreitet. Unter den CD-Veröffentlichungen der letzten Jahre fanden zahlreiche Einspielungen mit Kent Nagano für ›harmonia mundi france‹ besondere Beachtung –zuletzt die Weltersteinspielung der Oper ›L’Amour de Loin‹ von Kaija Saariaho – sowie die 2006 von der Deutschen Welle produzierte sechsteilige DVD-Serie ›Monumente der Klassik‹. Mit Ingo Metzmacher etablierte sich eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Label ›Phoenix Edition‹. Im Oktober 2008 erschien hier die von der Presse hoch gelobte Interpretation der Kantate Hans Pfitzners ›Von deutscher Seele‹. Zudem legte das DSO in den Jahren 2008 bis 2010 Einspielungen mit dem Windsbacher Knabenchor bei ›Sony Classical‹, CD-Aufnahmen mit zeitgenössischer Musik bei ›Neos‹ und ›Kairos‹ sowie mit Pjotr I. Tschaikowskys Symphonie Nr. 5 unter Yutaka Sado bei ›Challenge Classics‹ vor und veröffentlichte eine Opern-DVD von Richard Wagners ›Tannhäuser‹ bei ›Arthaus Musik‹– ein Live-Mitschnitt aus dem Festspielhaus Baden-Baden.
Das DSO auf Reisen
Neben seinen Konzerten in Berlin ist das DSO im Rahmen zahlreicher Gastspiele im internationalen Musikleben präsent. Konzertreisen führten das Orchester in der jüngeren Vergangenheit nach Russland, Asien, Nord- und Südamerika und in den Libanon. In kontinuierlicher Zusammenarbeit mit der Deutschen Welle und dem Auswärtigen Amt gastierte es außerdem in Abu-Dhabi, Hongkong, Tokyo, Peking und Kuala Lumpur und gab zahlreiche Tourneekonzerte in Osteuropa. Höhepunkte der Gastspielverpflichtungen in der Saison 2009|2010 bildeten eine Festivaltournee im Sommer 2009 mit Konzerten u.a. beim Rheingau Musik Festival, dem Edinburgh International Festival und dem Eröffnungskonzert des Beethovenfests Bonn. Weitere Konzerte führten das Orchester in den Wiener Musikverein, die Salle Pleyel in Paris, den Palais des Beaux Arts in Brüssel und in die Philharmonien von Warschau und Łódź.
Auch in der Saison 2010|2011 trat und tritt das Orchester im nationalen und internationalen Musikgeschehen auf. Im Sommer 2010 eröffnete das DSO unter Ingo Metzmacher die Salzburger Festspiele mit der Uraufführung der Oper ›Dionysos‹ von Wolfgang Rihm mit überwältigendem Erfolg und gab ein umjubeltes Gastspiel in London bei den BBC Proms. Im weiteren Saisonverlauf stehen Konzerte an Orten wie dem Brucknerhaus Linz, dem Konzerthaus Wien, der Meistersingerhalle Nürnberg, der Alten Oper Frankfurt am Main und der Philharmonie Essen auf dem Programm. Im Juni 2011 residiert das DSO unter der Leitung von Stefan Soltesz im Festspielhaus Baden-Baden mit Richard Strauss’ Oper ›Salome‹ in der Regie von Nikolaus Lehnhoff.
September 2010

