Programm

Antonín Dvořák
›Legenden‹ für Orchester

Helen Grime
›Virga‹

Johannes Brahms
Violinkonzert D-Dur

Mitwirkende

Robin Ticciati

  • Lisa Batiashvili Violine

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

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Mit seinen kompositorischen Vorstößen hat Dmitri Schostakowitsch immer wieder Tabus gebrochen und wurde unter dem stalinistischen Regime als Volksfeind angeprangert. Auch wenn Stalins Tod die Lage entspannte, blieb Schostakowitsch vorsichtig. Für sein Erstes Cellokonzert kündigte er einen heiteren Stil an – eine klare Irreführung des kulturpolitischen Apparats. Denn die Heiterkeit wird ins Karnevaleske verzerrt und durch Übertreibung in Schmerz verwandelt. Dmitri Schostakowitsch hat das aufrüttelnde Konzert dem russischen Meistercellisten Mstislaw Rostropowitsch gewidmet, der es 1959 zu einer umjubelten Uraufführung brachte.

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Flankiert wird das Cellokonzert von zwei Werken, deren Entstehung ebenfalls in einem politischen Zusammenhang steht. Antonín Dvořák und Leoš Janáček waren Patrioten und haben sich für die Förderung der tschechischen Kultur eingesetzt. Nach seiner Rückkehr aus Amerika wandte sich Dvořák der Programmmusik zu – und hatte dabei auch die Komposition einer tschechischen Nationaloper vor Augen. In jener Zeit entstanden fünf Orchesterballaden, die von der böhmisch-mährischen Märchen- und Sagenwelt inspiriert sind. Anstoß für dieses symphonische Großprojekt war der 25. Todestag des tschechischen Dichters Karel Jaromir Erben, der mit seinen schaurigen, fantastischen Sagen die Textgrundlage für Dvořáks Balladen-Zyklus geschaffen hat. ›Das goldene Spinnrad‹ erzählt von dem grausamen Mord an der schönen Dornička, der mithilfe eines Spinnrads aufgedeckt wird.

Leoš Janáček vertrat die patriotische Idee noch radikaler und politischer als Dvořák und feierte mit seinem Spätwerk die lang ersehnte Befreiung von der Habsburger Fremdherrschaft. Seine ›Sinfonietta‹, die Janáček mit 71 Jahren schrieb, trägt im Autograph den Titel ›Militär-Sinfonietta‹. Die ›kleine Symphonie‹ mit dem großartigen Bläsereinsatz ist der »tschechoslowakischen Wehrmacht« gewidmet, die die politische Freiheit des jungen tschechischen Staates verteidigen sollte.

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Wenn Musik von Helen Grime auf dem Programm steht, ist eines klar: Der Konzertabend ist für Robin Ticciati eine Herzensangelegenheit. Der Dirigent schätzt die schottische Komponistin sehr und plant mit ihr auch für die kommenden Spielzeiten eine intensive Zusammenarbeit. Hinter dem Titel des Orchesterstücks ›Virga‹ steckt ein Naturschauspiel, bei dem Regen aus den Wolken tritt, zur Erde fällt und noch vor dem Bodenkontakt zerstäubt. Helen Grime illustriert dieses zauberhafte Spektakel mit rasanten Klangkaskaden und glitzernden Tonspielereien über einem schweren Basschoral. Natur wird zum Klang.

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Mit Naturbildern in der Musik konnte der Wiener Kritiker-Papst Eduard Hanslick nicht viel anfangen und hatte für jede Art von Programmmusik nur Spott übrig. Umso erstaunlicher ist seine besondere Vorliebe für die Musik von Antonín Dvořák, der aus den musikalischen Bezügen zu seiner böhmischen Heimat keinen Hehl machte. Aus Dankbarkeit für die treue Fürsprache des strengen Rezensenten widmete ihm Dvořák seine ›Legenden‹. Hanslick ließ sich von dem programmatisch anmutenden Titel nicht irritieren und erkannte in den zehn reizvollen Stücken klangvolle, »beredte« Stimmungsbilder – nicht mehr und nicht weniger.

Mit Lisa Bathiashvili hat Robin Ticciati für das Violinkonzert von Johannes Brahms eine der gefragtesten und schillerndsten Musikerinnen unserer Zeit an seiner Seite. Die georgische Geigerin beschreibt ihren eigenen spezifischen Ton mit Zärtlichkeit, Wärme und Nostalgie – eine Beschreibung, die auch trefflich zu Brahms Violinkonzert passt. Es entstand in Urlaubsstimmung und Sommerfrische am wunderschönen Wörthersee und ist dem damaligen Star-Geiger Joseph Joachim gewidmet. Dieser war hocherfreut, schließlich hatte er bereits 25 Jahre auf ein solches Konzert von seinem Komponistenfreund gewartet. Joachims Vorschläge, technisch besonders unbequeme Stelle zu ändern, hat Brahms nicht in jedem Fall berücksichtigt. So bleibt die Solo-Partie eine virtuose Herausforderung.

Übertragung

Termin wird noch bekannt gegeben

kulturradio vom rbb
Mi 06 Jun '18

20 Uhr
18.55 Uhr Einführung mit Habakuk Traber

Philharmonie Berlin

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Termin wird noch bekannt gegeben

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