Programm

Gustav Mahler
2. Satz aus der Symphonie Nr. 3 d-Moll, unter dem Titel ›What the Wild Flowers Tell Me‹ bearbeitet von Benjamin Britten

Dmitri Schostakowitsch
Violinkonzert Nr. 2 cis-Moll

Jean Sibelius
Symphonie Nr. 6 d-Moll

Jean Sibelius
Symphonie Nr. 7 C-Dur

Mitwirkende

Santtu-Matias Rouvali

  • Vadim Gluzman Violine

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

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Das Zweite Violinkonzert Dmitri Schostakowitschs wurde, wie das Erste, für den großen russischen Geiger David Oistrach geschrieben, der die Komposition an seinem 59. Geburtstag uraufführte. Alle drei Sätze des wie Mahlers Fünfte Symphonie in der seltenen Tonart cis-Moll stehenden Werks beginnen in getragenem Tempo. Die Atmosphäre der ersten beiden Sätze ist vom düster-nachdenklichen Gesang des Soloinstruments vor verschattetem Orchesterklang geprägt, im Adagio beschränkt sich die Geige in einem Dialog mit den Holzbläsern zeitweilig auf die Rolle des Begleiters. Das sich ohne Unterbrechung anschließende Finale ist ein Rondo, dem allerdings, anders als diesem Satztyp in der Wiener Klassik, der Gestus eines beschwingten Kehraus abgeht. Nach sich zuspitzender Rhythmik und einer virtuosen Kadenz endet das Werk in erregter, geradezu alarmistischer Stimmung.

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In seiner berüchtigten ›Glosse über Sibelius‹ höhnte Theodor W. Adorno, der seit langem verstummte finnische Komponist brüte »jahrelang über der Achten Symphonie, als ob es die Neunte wäre.« Tatsächlich hätten zahlenmystisch veranlagte Musikhistoriker auch im Fall von Sibelius Anlass zur Spekulation: Da dieser mit ›Kullervo‹ eine zusätzliche, allerdings nicht ins nummerierte Gattungsverzeichnis aufgenommene Symphonie geschrieben hatte, würde seine Achte, deren Skizzen der Komponist schließlich verbrannte, eine weitere ominöse Neunte darstellen. Viel wichtiger ist es allerdings, dass sich Sibelius entgegen der Einschätzung Adornos längst als einer der großen Symphoniker des 20. Jahrhunderts etabliert hat. Dessen zwei letzte Gattungsbeiträge dirigiert Santtu-Matias Rouvali, der beim DSO unter anderem bereits mit Sibelius’ Erster einen starken Eindruck hinterließ, in diesem Konzert. Anders als bei Mahler, in dessen Werkfolge sich in Besetzung wie zeitlicher Ausdehnung die Entwicklung zur Expansion manifestiert, zeigen Sibelius’ Symphonien die Tendenz zur Verdichtung: Die viersätzige Sechste ist nach einer halben Stunde zu Ende, die noch einmal fünf Minuten kürzere Siebte besteht aus einem einzigen Satz. Und doch vermittelt sich in beiden Werken, an denen der Komponist zeitweise gleichzeitig arbeitete, der Eindruck einer epischen Dimension, dem unvermeidlich die Assoziation so weiter wie karger Landschaften korrespondiert. Der Sechsten hat der Komponist selbst Naturmetaphern zugeordnet, dabei von »reinem Quellwasser« und dem »Duft des ersten Schnees« gesprochen. Neuartig für Sibelius und zugleich auf die alte Musik verweisend ist die an Komponisten wie Palestrina und Orlando di Lasso geschulte Harmonik. Die von einer fortwährenden Themenmetamorphose charakterisierte Siebte verfügt über eine rätselhafte Formgebung, die den Zuhörer dennoch soghaft ins Geschehen zieht. Beim Beginn des Werks spüre man, »wie es sich für ein Kind anfühlen muss, zum ersten Mal das Licht zu sehen«, sagte Robin Ticciati in einem Interview.

Das Programm des Abends wird durch eine Mahler-Bearbeitung Benjamin Brittens ergänzt, Solist in Schostakowitschs Violinkonzert ist der hoch angesehene russische Geiger Vadim Gluzman.

Übertragung

Termin wird noch bekannt gegeben

Deutschlandfunk Kultur
Sa 03 Apr '21

20 Uhr
19.10 Uhr Einführung mit Habakuk Traber

Philharmonie Berlin

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Termin wird noch bekannt gegeben

Deutschlandfunk Kultur

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