Programm

Albert Roussel
Symphonische Fragmente aus dem Ballett ›Das Festmahl der Spinne‹

Camille Saint-Saëns
Violoncellokonzert Nr. 1 a-Moll

Sergei Prokofjew
Symphonie Nr. 4 C-Dur (Fassung 1947)

Mitwirkende

Mikhail Tatarnikov

  • Gautier Capuçon Violoncello

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Bedauerlicherweise musste Lionel Bringuier die Leitung des Konzerts krankheitsbedingt absagen. Wir danken Mikhail Tatarnikov für sein kurzfristiges Einspringen. Das Programm bleibt unverändert.

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Mikhail Tatarnikov fügt mit seinem DSO-Debüt der französischen Linie in dieser Spielzeit wichtige Aspekte hinzu: mit Camille Saint-Saëns, der zwischen Berlioz und Debussy wirkte, durch Albert Roussel, der neben Ravel eigene Aussichten auf eine klangfreudige Moderne entwickelte, sowie Sergei Prokofjew, der seine verkannte Vierte Symphonie in Paris komponierte.

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Roussels farbenreiche Fragmente sind ein eigens angefertigtes Exzerpt seines beliebten wie auch bedeutenden Balletts ›Le festin de l'araignée‹ (Das Festmahl der Spinne). Darin gerät eine Vorgartenszenerie zum Spiegelbild des menschlichen Lebens: Eine Spinne ist auf Beutefang und macht sich eine Konföderation aus Insekten zum Feind. Es ist das erste große einer Reihe an Bühnenwerken von Roussel, der eine anfängliche Karriere als Marineoffizier zugunsten der Musik aufgab. ›Le festin‹ entstand 1912 für das Pariser Théâtre des Arts im Zuge einer regelrechten Ballett-Manie, die die ›Ballets Russes‹ um ihren Impresario Serge Diaghilew seinerzeit über die Stadt hinaus ausgelöst hatte.

Saint-Saëns hatte bei der »Entdeckung des Cellos in der Romantik« einst kräftig mitgemischt. Die 1870er-Jahre bezeugten eine große Vorliebe des Komponisten für das Instrument, das er in dieser Zeit neben Kammermusikwerken vor allem mit seinem Ersten Violoncellokonzert bedacht hatte. Dieses entstand wahrscheinlich auf Anregung des belgischen Cellisten Auguste Tolbecque, Widmungsträger und Solist bei der Uraufführung 1873. Obwohl die Anforderungen des Solocellos denkbar hoch sind, wollte Saint-Saëns keinesfalls ein Virtuosenkonzert schreiben. Dementsprechend verwoben sind Cello und Orchester gleichermaßen am musikalischen Geschehen beteiligt. Hans von Bülows Bemerkung über das Repertoirestück, es sei voller »Technik und Eleganz, bon sens und Originalität, Logik und Anmut« hat an Gültigkeit nichts verloren.

Prokofjews Vierte Symphonie erlebte zwei Uraufführungen: nachdem sie 1930 auf wenig Anerkennung gestoßen und er selbst mit der Komposition unzufrieden war, unterzog er das Werk 17 Jahre später einer gründlichen Revision. Das wertgeschätzte Material lag seinem erfolgreichen Ballett ›Der verlorene Sohn‹ zugrunde. Während die erste Fassung jedoch eher einer Suite glich und sich Prokofjew mit Beginn seiner Fünften Symphonie an einer großgewichtigen Form orientierte, fiel somit die zweite Fassung weitaus üppiger aus. Die Ballettgrundlage erhielt somit ein orchestral-strahlendes Gewand.

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Sonntag, 16.06.2019 | 20.03 Uhr (live)

Deutschlandfunk Kultur
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