Programm

György Ligeti
›Lontano‹

Paul Dukas
›Der Zauberlehrling‹

Olivier Messiaen
›Oiseaux exotiques‹ für Klavier und Orchester

George Benjamin
›Duet‹ für Klavier und Orchester

Leoš Janáček
Sinfonietta

Mitwirkende

Sir George Benjamin

  • Cédric Tiberghien – Klavier

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

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Vögel, die großen Meister

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Kennen Sie den Baltimore-Trupial, der leuchtend orange und schwarz gefiedert ist und so herrlich singt? Oder den indischen Maina aus der Familie der Stare, schwarz mit gelbem Hals, dessen Schreie aufzucken lassen, weil sie so menschlich klingen? Der französische Komponist Olivier Messiaen kannte sie alle. Mehr als 700 Vogelarten soll er im Laufe seines Lebens belauscht haben. Akribisch notierte er ihre Gesänge, um dann mit dem »Material aus der Natur« schöpferisch zu arbeiten und geeignete Akkorde zu finden, die die originalen Klangfarben umsetzen und verstärken. In seinem Werk ›Oiseaux exotiques‹ für Klavier und kleines Orchester, entstanden 1955/56, kommen insgesamt 18 Arten zum Einsatz, aus China, Malaysia und Amerika – eine Sammlung, die gleichwohl niemals in der Natur zusammen existieren könnte. ›Oiseaux exotiques‹ ist notierte Musik, die neue Räume und Wirklichkeiten schafft. Es gibt keine Zuspielung vom Band, auch wenn Messiaen darauf hätte zurückgreifen können: Neben seinem Notizblock hatte er oft ein Aufnahmegerät dabei. Seine seltsame Leidenschaft geht auf Paul Dukas zurück, bei dem Messiaen studiert hatte. Dukas inspirierte ihn mit einer vordergründig naiven Aussage: »Hören Sie den Vögeln zu! Das sind große Meister.« Bei vielen Werken war das Klavier das geeignete Instrument, um die Klangpracht und rhythmische Komplexität der Gesänge umzusetzen.

Größtmögliche Lebhaftigkeit
Den Solopart übernimmt am 22. Mai der französische Pianist Cédric Tiberghien, der sein überzeugendes DSO-Debüt mit Messiaens ›Trois petites liturgies de la présence divine‹ gab. Am Pult steht Sir George Benjamin. Der britische Komponist, Dirigent und Hochschullehrer hat bei Messiaen am Pariser Conservatoire studiert. Er relativiert das verschrobene Bild, das man eventuell von Messiaen haben könnte, der sich auf seiner Visitenkarte als »Komponist, Ornithologe und Rhythmiker « auswies: »Messiaen war sehr fröhlich im Unterricht, und seine Fröhlichkeit war ansteckend. Er sagte immer zu mir, er unterrichte, um zu lernen. Das empfinde ich selbst genauso, denn auch ich lerne viel durch die Arbeit mit den Studenten. Sie bereichern mich als Komponist.« Das Schaffen von Musik sei eine höchst subjektive Angelegenheit, die nicht darauf abziele, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. »Ich versuche, mir einen Klang und eine Form auszudenken mit der größtmöglichen Lebhaftigkeit. Das Komponieren ist eine sehr private, intime Angelegenheit, man macht es allein, in Stille, über Jahre. Und am Ende, denke ich, wird der Hörer nicht wollen, dass ich ihn unterfordere.«

Im Konzert mit dem DSO dirigiert der Komponist sein Werk ›Duet‹ für Klavier und Orchester. Komplexe Strukturen fordern den Hörer, überfordern ihn aber nicht, da Benjamin mit großer Instrumentierungskunst eine Plastizität schafft, die den Fortgang der musikalischen Ereignisse nahezu greifbar macht. Sein Augenmerk richtet er auf Strukturen, »die erzählend und spannend sind, unvorhersehbar, aber logisch«. So räumt er dem Klavier zu Beginn des ›Duets‹ einen ausgiebigen Solopart ein, der Zeit lässt, um in das Geschehen einzutauchen. Erst nach etwa einer Minute tritt das Orchester hinzu, metallisch klingend mit den Blechbläsern. Eine besondere Bedeutung kommt den nächsten Verwandten des Klaviers – Schlagzeug und Harfe – zu, mit denen der Solist unmittelbar danach kommuniziert.

Ausgezeichnet
Das Wirken des 1960 geborenen Komponisten war auch dem DSO eine Würdigung wert. 2001 erhielt Benjamin den erstmals verliehenen Arnold-Schönberg-Preis, der auf Initiative des damaligen Chefdirigenten Kent Nagano ins Leben gerufen und gemeinsam von Deutschlandradio Kultur, dem Arnold Schönberg Center in Wien und dem DSO ausgelobt wurde. Den Konzertwerken aus eigener und Messiaen’scher Feder stellt Benjamin am 22. Mai Kompositionen von Ligeti und Janáček zur Seite, zudem erklingt mit dem ›Zauberlehrling‹ von Dukas ein Werk, das eine bedeutende Rolle in der Orchestergeschichte spielt: Es stand 1948 bei der ersten und 1961 bei der letzten Zusammenarbeit mit Ferenc Fricsay, dem legendären erste Chefdirigenten des DSO, auf dem Programm.

HELGE BIRKELBACH

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Programmheft

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Übertragung

Sonntag, 05.06.2022 | 21.05 Uhr

Deutschlandfunk
So 22 Mai '22

20 Uhr
19.10 Uhr Einführung mit Habakuk Traber

Philharmonie Berlin

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Sonntag, 05.06.2022 | 21.05 Uhr

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