Panorama Beethoven

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Am 17. Dezember 2020 jährt sich der Geburtstag Ludwig van Beethovens zum 250. Mal. Alle, denen die klassische europäische Musik etwas bedeutet, bereiten sich auf diesen Termin vor und feiern ihm entgegen. Wie stimmt man in den weltweiten Jubel mit ein, ohne in ihm unterzugehen? Im großen Chor zu Ehren des Jubilars nimmt das DSO nicht in der Mitte Platz, wo man im Gedränge nur die Leitfigur sieht, sondern dort, wo man den  besseren Ausblick hat, den Nachhall des Geehrten und die Gegenstimmen zu ihm deutlicher vernehmen kann.

In der DSO-Spielzeit tritt Beethoven vor allem als Themengeber auf, etwa in Max Regers Fuge über eine Bagatelle des Meisters. Er wirkt nach in Widmungen wie Jörg Widmanns Konzertouvertüre ›Con brio‹, die sich ein typisches Temperament in dessen Musik vornimmt. Schließlich wird Beethoven umkreist: von Mozarts vier letzten Symphonien, die Sir Roger Norrington und Robin Ticciati dirigieren, von Hector Berlioz, dem Beethoven und Shakespeare die Treibmittel für seine Ideen lieferten, von Robert Schumann und Johannes Brahms, die beide einige experimentelle Anläufe brauchten, um die »Symphonie nach Beethoven« zu finden.

Beethoven kommt schließlich selbst zu Wort. Mit 31 Jahren schrieb er sein Testament in Heiligenstadt bei Wien; nach dem Ort erhielt es seinen Namen. Es ist ein Testament im wörtlichen Sinn: Zeugnis und Bekenntnis. Darin beklagt er sein Gehörsleiden, das ihn vom gesellschaftlichen Leben absondere, und nennt die Kunst als Sinn und Inhalt seines Lebens. Zwei Kompositionen setzen sich mit dem erschütternden Schriftwerk auseinander: Auf Brett Deans ›Testament‹ antwortet Beethovens musikalisches Testament, die Große Fuge op. 133. Für Streichquartett geschrieben, drängt sie mit allen Fasern von Ausdruck und Tonsprache zum orchestralen Denken. Rodion Shchedrins Beschäftigung mit dem ›Heiligenstädter Testament‹ stellt Sakari Oramo zwei Werke entgegen, die sich mit Eigenheiten Beethovens und seiner Kunst beschäftigen: Tschaikowskys »Schicksalssymphonie«, deren programmatische Erläuterung wie ein Spiegel von Beethovens Testament wirkt, und Magnus Lindbergs ›Accused‹; der finnische Komponist wählte Texte aus Verhörsprotokollen, er setzt bei einer demokratischen Zeitgenossin Beethovens an und wandelt den musikalischen Ausdruck in Richtung einer »Volksrede«, mit der Beethovens Symphonien einmal verglichen wurden. Zum Saisonauftakt 20/21 ist im Rahmen des Musikfests 2020 schließlich eine von ihnen hören: Robin Ticciati dirigiert die eher selten gespielte Vierte Symphonie, das DSO musiziert – in Fortsetzung einer Linie, die mit Händels ›Messiah‹ und Mozarts letzten Symphonien begann – auf Darmsaiten und unter Einsatz von Naturhörnern und -trompeten. 

Der Kosmos Beethoven reicht weit über sein Werk hinaus. Das DSO wirft Spotlights in den Raum der Möglichkeiten, den der Tondichter erschloss.


Die Beethoven-Konzerte sind
Teil des Jubiläumsjahres

BTHVN2020


Mit freundlicher Unterstützung durch

Stiftung preußischer kulturbesitz

Konzerte im Rahmen von BTHVN2020