Foto: Peter Adamik

Aufgrund des großen Erfolgs bei Teilnehmern und Publikum findet der Dirigierworkshop, diesmal mit Edward Elgars Erster Symphonie, im Dezember 2015 eine Fortsetzung.

So 13. Dezember 2015 | 15 Uhr
Großer Sendesaal, Haus des Rundfunks


Dirigierworkshop
Edward Elgar Symphonie Nr. 1 As-Dur

TUGAN SOKHIEV
Studierende der Hochschule für Musik ›Hanns Eisler‹ Berlin
und der Universität der Künste Berlin


Der Workshop findet vor Publikum statt, der Eintritt ist kostenlos. Aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten ist eine Anmeldung über den DSO-Besucherservice erforderlich (ab September 2015).



Rückblick: Dirigierworkshop am 16.11.2014

Video zum Dirigierworkshop 2014

Seokwon Hong betritt das Dirigentenpodest im Großen Sendesaal im Berliner Haus des Rundfunks. Mit strahlendem Lächeln wendet sich der Student der Hochschule für Musik ›Hanns Eisler‹ an die rund 90 Musikerinnen und Musiker vor ihm: »Fangen wir an!« Er hebt die Arme und vollführt mit seinen Händen eine kreisförmige Bewegung. Zuerst ertönen die Flöten mit einer spielerischen Melodie; die Celli antworten mit einer ähnlich ungezwungenen Figur, bevor die Klänge die imaginäre Kulisse eines Jahrmarkts entfalten. Diese Karnevalsszenerie eröffnet das Ballett ›Petruschka‹, zu dem Igor Strawinsky 1911 die Musik lieferte. In wenigen Tagen soll das Werk in der Philharmonie erklingen, doch diese erste Probe ist anders: Tugan Sokhiev tritt nicht ans Pult seines Orchesters, sondern nimmt zwischen Celli und Geigen Platz, beobachtet aufmerksam. Bereits zum zweiten Mal gibt der Chefdirigent in einem Dirigierworkshop seinen reichen Wissensschatz und seine Erfahrungen auf dem internationalen Parkett an die zukünftigen Maestri weiter. Je zwei Meisterklasse-Studenten der beiden Berliner Musikhochschulen haben sich für den Zusatzkurs qualifiziert.

»Wie stellst Du Dir ihren Charakter vor?«
Seokwon Hongs federnde Bewegungen passen gut zu der Fastnachtsszenerie, die er heraufbeschwören möchte. Sehr genau schlägt er den Takt, die Einsätze folgen präzise. Und dennoch ist er nicht zufrieden, fordert ein bunteres, ausgelasseneres Treiben. Nach einigen Minuten greift Tugan Sokhiev ein und rät dem Südkoreaner, seine musikalische Vorstellung exakter zu erklären. Die »betrunkenen Matrosen«, die Hong in dem gewaltigen repetierenden Motiv der tiefen Bassregister erkennt, erklingen daraufhin deutlich authentischer. In dieser Weise widmet sich Sokhiev jedem der vier Jungdirigenten. Marcus Merkel, Student an der Universität der Künste, animiert der Nordossete unter anderem zu einem langsameren Tempo; Hermes Helfricht und Haoran Li empfiehlt er ein freieres Dirigat mit simpler, effektiverer Gestik. Für die vier Studenten ist der Meisterkurs eine der seltenen Gelegenheiten, ihr Können vor einem professionellen Symphonie-Orchester unter Beweis zu stellen. »Nachwuchsdirigenten müssen lernen, Ideen und Klangvorstellungen mit kleinsten Bewegungen auszudrücken«, erklärt Sokhiev den rund 700 Zuhörern. »Aber das kommt zumeist erst mit der Erfahrung.«

Eines zeigten alle Teilnehmer jedoch bereits jetzt: Die »fast undefinierbaren Gaben«, die Hector Berlioz dem fähigen Dirigenten bescheinigt, wenn er schreibt, »man muss fühlen, dass er fühlt, versteht, ergriffen wird; dann überträgt sich sein Gefühl auf diejenigen, welche er leitet; sein inneres Feuer erwärmt sie, seine Begeisterung reißt sie fort, von ihm aus erstrahlt die Lebenskraft der musikalischen Kunst.«

FELICITAS BÖHM

 


Rückblick: Dirigierworkshop am 18.11.2012



Große Dirigentenkarrieren beginnen meist ganz früh. Tugan Sokhiev, Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, weiß das aus eigener Erfahrung. Im Alter von 16 Jahren erhielt er seinen ersten Dirigierunterricht, zwei Jahre später setzte er seine Ausbildung bei dem legendären Ilja Musin in St. Petersburg fort. Dort lernte er das, was die Musiker des DSO an ihm schätzen: künstlerische Intention, einen zielbewussten und temperamentvollen Arbeitsstil und die Fähigkeit, sie zu motivieren, das Richtige zu tun. Um seine Kenntnisse des Dirigierhandwerks an die nächste Generation weiterzugeben, rief Tugan Sokhiev, dem die musikalische Nachwuchsförderung ein persönlich wichtiges Anliegen ist, mit dem DSO einen Dirigierworkshop ins Leben.

Vier Teilnehmer, die im Vorfeld aus den eingereichten Bewerbungen ausgewählt worden waren, fanden sich am Sonntagmittag des 18. November im rbb-Fernsehzentrum ein, um gemeinsam mit Tugan Sokhiev an Nikolai Rimski-Korsakows Symphonischer Dichtung ›Scheherazade‹ zu arbeiten, die er an den vorangegangenen Tagen selbst mit überwältigendem Erfolg in der Philharmonie dirigiert hatte. Im lichtdurchfluteten Ferenc-Fricsay-Saal, dem Probensaal des DSO, nahmen die Zuschauer auf den ansteigenden Musikersitzreihen Platz. Voller Spannung auf die erste Veranstaltung dieser Art wechselten die Blicke zwischen den vier Kandidaten und den beiden aufgestellten Flügeln.


»Genauso wichtig wie ein Orchester zu leiten, ist es, ihm zu folgen.« Tugan Sokhiev

Für die angehenden Dirigenten im Alter zwischen 19 und 23 Jahren bestand die Aufgabe zunächst darin, einen Satz aus der ›Scheherazade‹ in der Fassung für zwei Klaviere zu dirigieren. Den Anfang machte der aus Russland stammende Sergey Kunetsov, gefolgt von dem Homburger Gerrit Jan Netzlaff, dem Berliner Till Schwabenbauer und Maximilian Rajczyk aus Saarbrücken. Während sich die Workshop-Teilnehmer mit voller Konzentration der Musik widmeten, verfolgte Tugan Sokhiev im Hintergrund aufmerksam jede ihrer Bewegungen. Dass dirigieren mehr ist, als nur den Takt vorzugeben, wurde spätestens dann klar, als er in die Rolle des Lehrers schlüpfte, um den Dirigiereleven seine St. Petersburger Schule zu vermitteln. Wer dabei an trockenen Unterricht denkt, liegt jedoch falsch. Gekonnt bezog Sokhiev das Publikum mit ein, wobei er Dirigierbeispiele anführte und Anekdoten aus seiner eigenen Lehrzeit, wie etwa die Geschichte mit den Armschmerzen aufgrund einer falschen Dirigiertechnik, zum Besten gab. Dass es häufig nur Details sind, mit denen ein Dirigat steht oder fällt, machte Tugan Sokhiev allen Teilnehmern deutlich: »Ein guter Dirigent muss sich in die Lage eines jeden einzelnen Musikers versetzen können, muss mit dem Orchester zu einer Einheit verschmelzen, mit ihm atmen.«

TOBIAS LIND



Fotos: Kai Bienert

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ist ein Ensemble der

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