Auf der Jahrespressekonferenz des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin am 6. April 2016 in der Humboldt-Box am Schlossplatz stellte Orchesterdirektor Alexander Steinbeis gemeinsam mit dem Orchestervorstand des DSO die Projekte der Spielzeit 2016 | 2017 der Öffentlichkeit vor.

70 Jahre DSO

Im November 2016 feiert das DSO seinen 70. Geburtstag. Seit der Gründung als RIAS-Symphonie-Orchester hat es eine spannende, wechsel- und glanzvolle Entwicklung durchlaufen, die eng mit der Berliner Stadthistorie verbunden ist. Zweimal änderte es seinen Namen: 1956 in Radio-Symphonie-Orchester Berlin (RSO), 1993 wurde es zum Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Als Rundfunk- und Konzertorchester, als Fürsprecher zeitgenössischer Musik und Botschafter Berlins wie Deutschlands in der Welt hat es einen festen Platz auf der musikalischen Landkarte der Gegenwart. Am 6. November 2016 leitet Kent Nagano, der frühere Chef- und heutige Ehrendirigent des Orchesters, das Jubiläumskonzert.

Fünf Chefdirigenten

Die neue Saison ist reich an prominenten Pultgästen: Der zukünftige Chefdirigent des DSO, Robin Ticciati, und alle seine Vorgänger, die seit den Wendejahren die Geschicke des Klangkörpers lenkten, gestalten fast ein Drittel der Programme. Vladimir Ashkenazy erinnert in zwei unterschiedlich gefärbten Konzerten mit der Achten Symphonie an die überwältigenden Schostakowitsch-Interpretationen seiner Ära und mit Elgars ›Enigma-Variationen‹ an seine Zuneigung zu englischen Komponisten. Kent Nagano dirigiert zusätzlich zum Jubiläumsprogramm ein weiteres, das mit Werken von Beethoven, Schubert und Strauss einen Blick auf die Verbindungslinien zwischen Klassik und Romantik wirft.

Sein Nachfolger Ingo Metzmacher stellt dem orchestralen Glanz von Bruckners ›Romantischer‹ die klangliche Feinzeichnung von Strawinskys ›Apollon musagète‹ voran. Robin Ticciati, der sein Amt als DSO-Chefdirigent im September 2017 antritt, präsentiert sich an seinen beiden Abenden sowohl mit Werken der großen Orchestertraditionen – Mahlers Vierter und Schumanns Dritter Symphonie – als auch mit britischer Gegenwartsmusik von Thomas Adès und Helen Grime. Tugan Sokhiev beschließt die Saison mit der Uraufführung eines Konzerts für Violine und Violoncello der Exilrussin Jelena Firssowa und mit Tschaikowskys Vierter Symphonie.

Konzerte mit Gastdirigenten

In langjähriger Zusammenarbeit verbunden ist dem DSO auch eine Riege dirigentischer Altmeister; einige kehren nun zum Orchester zurück: David Zinman, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, realisiert mit einer halbszenischen Aufführung von Samuel Barbers Oper ›Vanessa‹ eines der Hauptprojekte der Saison. Sir Roger Norrington vollendet mit der Achten seinen gefeierten Zyklus der Symphonien Vaughan Williams' und ergänzt ihn um die Ballettmusik ›Job – A Masque for Dancing‹. Sir Andrew Davis und Sir Mark Elder komplettieren das illustre Aufgebot an englischen Dirigenten. Christoph Eschenbach schlägt einen Bogen von der Uraufführung eines Auftragswerks des DSO von Philipp Maintz über Bartóks Zweites Violinkonzert zurück zu Brahms' Zweiter Symphonie. Neeme Järvi und Ton Koopman dirigieren das Orchester in dieser Spielzeit ebenfalls erneut.

Auch die junge und jüngere Generation ist am Pult des DSO prominent vertreten. Jakub Hrůša, designierter Chef in Bamberg, eröffnet die Saison mit einem Konzert beim Musikfest Berlin im September. Stéphane Denève wendet sich Prokofjew zu, Hannu Lintu und Yutaka Sado werfen einen musikalischen Blick über den Atlantik. In der Reihe ›Debüt im Deutschlandradio Kultur‹ geben Lorenzo Viotti und Tung-Chieh Chuang ihren Berliner Einstand. Der 31-jährige Finne Santtu-Matias Rouvali hat das bereits 2014 so überzeugend getan, dass er jetzt mit einem böhmisch-skandinavischen Programm ein Abonnementkonzert leitet. Außerdem darf man auf den 36-jährigen Letten Andris Poga gespannt sein, der 2014 für Lorin Maazel und Valery Gergiev bei den Münchner Philharmonikern bravourös einsprang.

Eine Woche nach ihm tritt der in Paris geborene Fabien Gabel, derzeit Musikchef in Québec, mit einem exquisiten französischen Programm erstmals ans Pult des Orchesters. Einen Mozart-Strauss-Abend gestaltet Alexander Shelley, der vor wenigen Monaten zu Silvester und Neujahr im Tempodrom überzeugte. Die Rolle des »musikalischen Zirkusdirektors« übernimmt diesmal Martyn Brabbins. Ein Sonderprojekt des DSO, die Uraufführung der Deutschen Messe des Komponisten Stefan Heucke – eine Vertonung des Ordinarium missae in der Übersetzung von Bundestagspräsident Norbert Lammert –, liegt in den Händen von Steven Sloane.

Solistinnen und Solisten

Eine Vielzahl herausragender Virtuosen findet sich in den DSO-Programmen der kommenden Spielzeit. So konzertieren mit dem Orchester etwa die Pianisten Kirill Gerstein, Igor Levit, Mikhail Pletnev, Jean-Yves Thibaudet und Lars Vogt. An der Violine sind Renaud Capuçon, Vadim Gluzman, Leonidas Kavakos, Alina Pogostkina und Baiba Skride zu erleben, ebenso der Bratschist Antoine Tamestit und die Cellisten Nicolas Altstaedt, Truls Mørk, Johannes Moser und Daniel Müller-Schott. Mit Avi Avital (Mandoline) ist ein weiterer Meister seines Fachs zu Gast; und der Schlagzeuger Martin Grubinger kehrt mit einem eigens für ihn komponierten Konzert von Olga Neuwirth zum Orchester zurück.

Zu den namhaften Vokalsolisten der Saison 2016|2017 zählen die Sopranistinnen Juliane Banse, Genia Kühmeier, Hanna-Elisabeth Müller und Erin Wall, die Mezzosopranistinnen Susan Graham und Catherine Wyn-Rogers sowie die Altistin Claudia Huckle. Weitere Gesangspartien übernehmen die Tenöre Ian Bostridge, Benjamin Bruns und Andrew Staples, in den tieferen Registern der Herren Neal Davies, Michael Nagy, Alexei Tanovitski und Roderick Williams. Sechs Projekte werden gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin realisiert, darunter Honeggers ›Le roi David‹ und Schuberts As-Dur-Messe. Der RIAS Kammerchor ist Partner für das Opernprojekt ›Vanessa‹ und in Gabels französischem Programm.

Weitere Konzerte

Die Casual Concerts – das kommunikative Konzertformat des DSO – gehen in der Philharmonie mit drei Abenden in ihre neunte Saison, moderiert und dirigiert von Stéphane Denève, Alexander Shelley und Sir Roger Norringon. Die traditionsreiche Reihe ›Musik der Gegenwart‹ hat seit vielen Jahren ihre Heimat im Rahmen des Festivals für neue Musik ›Ultraschall Berlin‹. Johannes Kalitzke und Dennis Russel Davies werden die beiden Konzerte im Großen Sendesaal des rbb gestalten. Ebenfalls im Haus des Rundfunks finden zu sechs Terminen die Kulturradio-Kinderkonzerte für die jüngsten Hörer eine Fortsetzung.

Die Kammermusiksaison eröffnet das Polyphonia Ensemble Berlin bei ›Klassik im Grünen‹ im Botanischen Garten. Sieben weitere Konzerte finden abwechselnd in der Villa Elisabeth und im Heimathafen Neukölln statt. Die populären ›Notturno‹-Abende, die das DSO in Kooperation mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ausrichtet, empfängt musikliebende Nachtschwärmer erneut an drei spannenden Orten: im Vorderasiatischen Museum, im Museum für Fotografie und im Garten des Museum Berggruen. Zudem ist das DSO mit der Stiftung für die ›Langen Nacht der Museen‹ am 27. August 2016 und das Begleitprogramm der Busoni-Ausstellung mit einem Konzert am 26. September 2016 verbunden.

›Symphonic Mob‹

Der ›Symphonic Mob‹, Berlins größtes Spontanorchester aus DSO-Mitgliedern und hunderten von Laienmusikern, hat sich zu einem wahren Erfolgsmodell entwickelt. Am 16. Mai 2016 findet das Projekt unter der Leitung von Kent Nagano in der Mall of Berlin bereits zum dritten Mal statt, auch für 2017 ist eine Fortsetzung geplant. Mithilfe der Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes wird das Konzept im Sommer und Herbst 2016 in Kooperation mit dem DSO an vier weiteren Orten in Deutschland mit lokalen Partnerorchestern umgesetzt.

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ist ein Ensemble der

Gesellschafter: