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Mi 30. November 2016
20 Uhr Philharmonie Berlin

Andris Poga

Denis Kozhukhin Klavier

Alexei Tanovitski Bass

Herren des Rundfunkchores Berlin

Nicolas Fink Choreinstudierung

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Pjotr I. Tschaikowsky
Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll  
Dmitri Schostakowitsch
Symphonie Nr. 13 b-Moll ›Babij Jar‹ für Bass, Männerchor und Orchester  

18.55 Uhr Einführung mit Habakuk Traber


In Zusammenarbeit mit dem Rundfunkchor Berlin

 

Zum Programm

Für seinen Einstand am Pult des DSO wählte der lettische Dirigent Andris Poga zwei der bedeutendsten Werke russischer Konzertliteratur, deren Werdegang bis zu ihrer Vollendung sich keineswegs einfach gestaltete. Als Pjotr Tschaikowsky um Weihnachten 1874 Nikolai Rubinstein die erste Version seines später äußerst beliebten Klavierkonzerts Nr. 1 vorspielte, reagierte dieser mit eher harscher Ablehnung. Tschaikowsky – tief enttäuscht – zog daraufhin die Widmung an seinen Freund und Lehrer zurück. Die Uraufführung fand erst wenige Monate später im US-amerikanischen Boston statt; für den Klavierpart hatte er Hans von Bülow gewinnen können – ohne gravierende Änderungen vornehmen zu müssen. Mangelnder Anerkennung seiner Symphonie Nr. 13 seitens Freunden und Bekannten fürchtete Dmitri Schostakowitsch hingegen wohl weniger. Die Kritik an seiner Komposition für Bass-Solo, Männerchor und großbesetztes Orchester kam von anderer Seite. Gleich die erste Zeile des vertonten Gedichts von 1961 des erst 29-Jährigen Jewgeni Jewtuschenko, »Es steht kein Denkmal über Babi Jar«, fragt anklagend nach der Verantwortung der Obrigkeit: Die Schlucht Babi Jar vor den Toren Kiews war im September 1941 Schauplatz eines der grausamsten Massaker des Zweiten Weltkriegs, bei dem vor allem tausende Juden ermordet wurden. Die sowjetische Gesellschaft, von Antisemitismus geprägt, schwieg darüber. Die Tragik der Worte von ›Babi Jar‹ setzt Schostakowitsch eindrucksvoll in Klang um; daneben verarbeitet er weitere Texte Jewtuschenkos: über die Kraft des Witzes, den beschwerlichen Alltag sowjetischer Hausfrauen, über Ängste und die Frage nach dem Gewissen des Künstlers. Die Uraufführung der Symphonie 1962 war der Parteiführung dann auch ein Dorn im Auge. Schostakowitsch musste nicht nur die teils kurzfristigen Absagen von Sängern und Dirigenten erdulden, sondern zudem die nachträgliche Zensur des Textes hinnehmen. Die Originalfassung wurde 1970 wiederhergestellt; 1991 fand die Einweihung des ersten Denkmals in Babi Jar statt.

  • Andris Poga Dirigent

    Foto: Deinats

    Andris Poga | DirigentAndris Poga
    Denis Kozhukhin | KlavierDenis Kozhukhin
    Alexei Tanovitski | BassAlexei Tanovitski
    Rundfunkchor BerlinRundfunkchor Berlin

    Andris Poga Dirigent

    Andris Poga ist seit der Saison 2013 | 2014 Musikdirektor des Lettischen Nationalorchesters in Riga.

    Sein Dirigierstudium absolvierte er an der Jāzeps Vītols Latvian Academy of Music seiner Geburtsstadt Riga und studierte dort gleichzeitig Philosophie an der Staatlichen Universität Lettland. Darüber hinaus erhielt er Dirigierunterricht bei Uroš Lajovic an der Wiener Universität für Musik und Darstellende Kunst und besuchte Meisterkurse bei Seiji Ozawa und Leif Segerstam. 2010 gewann er den ersten Preis beim internationalen Dirigierwettbewerb ›Jewgeni Swetlanow‹ in Montpellier. Nach diesem Erfolg ernannte Paavo Järvi ihn für drei Jahre zum Assistant Conductor beim Orchestre de Paris; 2012 wurde Andris Poga in die gleiche Position beim Boston Symphony Orchestra berufen.

    Seitdem hat der Lette namhafte Orchester wie das Boston Symphony und das NHK Symphony Orchestra, das Orchestre de Paris sowie das New Japan Philharmonic bereits in regulären Abonnementkonzerten mit großem Erfolg geleitet. Auf einer Asien-Tournee der Münchner Philharmoniker im Oktober 2014 sprang er für Lorin Maazel und Valery Gergiev ein und erhielt daraufhin eine sofortige Wiedereinladung nach München. Neben Debüts der vergangenen Spielzeit beim Tonhalle-Orchester in Zürich, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem NDR Sinfonieorchester und dem hr-Sinfonieorchester wurde Andris Poga für Konzerte der Sankt Petersburger Philharmoniker, der Bamberger Symphoniker und des Orchestre National de France engagiert. In der Saison 2016 | 2017 wird er sein Debüt beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin geben.

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ist ein Ensemble der

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