Sunday Morning

Als Grundlage und Inspirationsquelle für den Fotowettbewerb dienen die ›Four Sea Interludes‹ von Benjamin Britten – vier Orchesterzwischenspiele aus der Oper ›Peter Grimes‹. Alle vier Teile der Komposition können auf dieser Seite angehört werden.

Mit seiner Oper ›Peter Grimes‹ malt Benjamin Britten ein großformatiges Bild menschlicher Konflikte: Von der Ablehnung eines Außenseiters durch die Gruppe, von Vorverurteilung und Schuld, von der schrecklichen Kraft des Gerüchts und der Ungewissheit, von menschlicher Rohheit und harten Lebensbedingungen. Unüberhörbar bahnt sich die Tragödie ihren Weg, doch der enthält immer wieder auch Spuren von Hoffnung.

Dabei ist das Meer ein Hauptdarsteller der Oper, vielleicht sogar der ausdrucksstärkste und wandlungsfähigste. Das Orchester übernimmt diesen Part in mehreren Zwischenspielen. Sie sind musikalische Meeresporträts, mit Stimmungen, so wechselhaft wie die Gezeiten – von sonniger Flaute bis zur sturmumtosten Flut. Sie verbinden die Bilder der Oper miteinander. Sie spiegeln aber auch die Handlung, in Rückblick und Vorschau. Sie lassen einzelne Szenerien aufscheinen und geben den Konflikten und Seelenzuständen der Protagonisten klingende Gestalt.

Storm

Wir laden Sie ein, sich von der großartigen Musik Benjamin Brittens zu Fotografien inspirieren zu lassen.
Dabei wollen wir Sie nicht auf einen bestimmte Herangehensweise festlegen, denn es gibt mehrere Möglichkeiten:

1) Sie können die ›Sea Interludes‹ als musikalische Porträts von Meeresstimmungen wahrnehmen, als Wasserlandschaften oder Naturbilder.

2) Sie können sich aber auch fotografisch mit den Konflikten, Seelenzuständen und Emotionen beschäftigen, die sich aus der Opernhandlung in der Musik spiegeln. Dazu finden Sie weiter unten einen Überblick über die Handlung und einige weitere Bemerkungen zu den ›Sea Interludes‹.

Bitte ordnen Sie jedes Bild einem der Interludes zu. Sie dürfen bis zu vier Fotografien einreichen, aber jeweils nur eine pro Interlude.


Weitere Informationen auf dieser Seite:
›Peter Grimes‹: Die Oper und ihre Handlung
›Four Sea Interludes‹: Anmerkungen und Anhören
Über die Aufnahme
Über das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin



›Peter Grimes‹ – die Oper und ihre Handlung

»Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich in engem Kontakt mit dem Meer. Das Haus meiner Eltern […] blickte direkt auf die See, und zu den Erlebnissen meiner Kindheit gehörten die wilden Stürme, die oftmals Schiffe an unsere Küste warfen und ganze Strecken der benachbarten Klippen wegrissen. Als ich ›Peter Grimes‹ schrieb, ging es mir darum, meinem Wissen um den ewigen Kampf der Männer und Frauen, die ihr Leben, ihren Lebensunterhalt dem Meer abtrotzten, Ausdruck zu verleihen.«

Benjamin Britten

Mit ›Peter Grimes‹ konnte sich Benjamin Britten 1945 auf einen Schlag international als Opernkomponist etablieren – mit der Geschichte eines Außenseiters, der an sich selbst und am Druck der Gesellschaft zugrunde geht, und einer großartigen, hochdramatischen Musiksprache, die ihresgleichen sucht.

Die Oper erzählt die Geschichte des Fischers Peter Grimes. Der Sonderling hält sich meist fern von den Bewohnern seines Dorfes. Und trotzdem ist er getrieben vom Wunsch nach Anerkennung und Aufstieg, fischt wie besessen und schont dabei weder sich, noch seinen Schiffsjungen, der auf dem Boot dabei zu Tode kommt. Und auch wenn der Vorfall offiziell als Unfall eingestuft wird, ist das ganze Dorf nun gegen ihn. Nur noch die Lehrererin Ellen und der pensionierte Kapitän Balstrode setzen sich für ihn ein. Als kurz darauf die Vermutung die Runde macht, Grimes mißhandle seinen neuen Lehrling John, machen sich die Dörfler auf zur Hütte des Fischers. Dieser kann rechtzeitig entkommen, doch auf dem eiligen Weg zum Boot stürzt John von einer Klippe. Ein tragischer Unfall, doch wer wird Grimes das glauben, hält man ihn doch jetzt schon für einen Kindermörder. Dem Wahnsinn verfallen, sucht er schließlich den Freitod in den Fluten.



›Four Sea interludes‹

Sea Interlude 1: ›Dawn‹

›Dawn‹ spiegelt die friedliche Stimmung der Morgendämmerung im kleinen Fischerdorf. Nebel, ruhige See. Und doch liegt eine unterschwellige Spannung in der Musik, ein leichter Hauch künftigen Unheils schimmert durch die Bläserklänge. Das Dorf erwacht.


›Dawn‹ – Beispielbild


 

Sea Interlude 2: ›Sunday Morning‹

In ›Sunday Morning‹ hört man die Kirchenglocken läuten. Alle eilen zum Gottesdienst. Zwischendurch ein Anklang an das zarte Lied von Ellen, die sich um den neuen Lehrling des Fischers kümmert. Doch das wiederholte Läuten der Glocken trägt bedrohliche Züge.


›Sunday Morning‹ – Beispielbild


 

Sea Interlude 3: ›Moonlight‹

›Moonlight‹ ist ein nächtliches Landschaftsbild, ruhig, weit, mit warmen, dunklen Hörnerklängen, Mondlicht glitzert mit Trompetenglanz auf den Wellen. Im Pub wird zur selben Zeit getanzt und gefeiert, doch das hört man hier noch nicht. Peter Grimes ist zurück im Dorf, und bald zieht man aus, um ihn wieder zu jagen; doch auch das ist noch ganz weit weg. Aber man kann es ahnen ...


›Moonlight‹ – Beispielbild


 

Sea Interlude 4: ›Storm‹

In ›Storm‹ entlädt sich schließlich all die Spannung, die sich vorher subtil aufgebaut hat, in einer wahren »Salzwassermusik«, wie es ein Kritiker 1945 formulierte, einem sturmumtosten Gewaltritt durch die sprühende Gischt des Meeres und der menschlichen Abgründe. ›Storm‹ ist auch ein Porträts Peters, seiner Zerrissenheit, seiner inneren Kämpfe und der Konfrontation mit seiner feindlichen Umwelt, seines Charakters, mit dem er immer wieder sich selbst im Wege steht. Und mittendrin, im Auge des Hurrikans, findet sich ein kurzer Moment der Ruhe und Stille, bevor das Gewitter von neuem losbricht.


›Storm‹ – Beispielbild


Über die Aufnahme

Bei der Aufnahme der ›Four Sea Interludes‹, die auf dieser Seite zu hören ist, handelt sich um einen Live-Mitschnitt aus dem Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters vom 1. Juni 2013 in der Berliner Philharmonie unter der Leitung von Ed Gardner.

Über das DSO

Foto: Frank Eidel

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin hat sich in den 67 Jahren seines Bestehens als Berliner Radio- und Konzertorchester einen Namen für seine besondere Programmgestaltung, seine Stilsicherheit und –vielfalt gemacht. Das Profil des DSO ist gekennzeichnet durch ein großes Engagement für die Gegenwartsmusik sowie die Offenheit gegenüber neuen Darstellungsformen und den Chancen, die in neuen Medien liegen.

Zusammen mit seinem Chefdirigenten Tugan Sokhiev, herausragenden Gastdirigenten und einer großen Zahl renommierter Solistinnen und Solisten ist das DSO nicht nur regelmäßig in der Berliner Philharmonie zu erleben, sondern im Rahmen zahlreicher Gastspiele auch im internationalen Musikleben präsent. 2011 wurde das DSO mit einem ›Grammy Award‹ ausgezeichnet.
Mehr zum DSO lesen

 

Mit freundlicher Unterstützung durch:

›Four Sea Interludes‹ anhören

 

Aktuelles