Foto: Dávid Adorján

Erschienen in den DSO-Nachrichten 05/06 2013.


Die Kanadierin Annemarie Moorcroft ist seit 1996 Solo-Bratschistin des DSO. Als Mitglied im Breuninger Streichquartett trat sie mit Gästen wie Christine Schäfer auf und hat CD-Aufnahmen mit Anna Prohaska und Kolja Blacher eingespielt. Zudem hat sie als Solistin mit Dirigenten wie Vladimir Ashkenazy oder Leonard Slatkin zusammengearbeitet.


Ich bin Bratschistin geworden, … weil ich es nicht lassen konnte. Ein anderer Beruf wäre bestimmt sicherer und vernünftiger gewesen, aber ich konnte mir nicht vorstellen, einen Tag ohne Musikmachen zu verbringen.

Wäre ich nicht Bratschistin geworden, … wäre ich heute Neurologin. Das menschliche Gehirn finde ich unendlich faszinierend.

Lampenfieber ist … glücklicherweise in ihrer schlimmsten Form bei mir immer seltener geworden. Ich habe das große Glück, trotz Lampenfieber immer Spaß am vorspielen zu haben. Kollegen haben mich schon eine »Rampensau« genannt!

Ein Leben ohne Musik … wäre ein ganz anderes – und für mich unvorstellbar. Ich war sogar bereit, die Seen und Wälder meiner kanadischen Heimat viel seltener zu erleben, um mir das musikalische Leben, das ich hier in Berlin führen kann, zu ermöglichen.

Meine drei Lieblingswerke der Orchesterliteratur:
Drei sind viel zu wenig! Sagen wir also, meine drei Lieblingswerke der letzten Zeit:

1. Strauss’ ›Vier Letzte Lieder‹: Meist ist mir seine Musik zu Ego-beladen, aber diese Lieder finde ich himmlisch und sie rühren mich jedesmal aufs Neue.

2. Bachs ›Matthäus-Passion‹: Jedes Jahr um Ostern herum denke ich wieder, was für ein Meisterwerk das Stück doch ist. Ich werde nie vergessen, wie ich es als Studentin zum ersten Mal im Aachener Dom bewusst gehört und gespielt habe.

3. Griegs ›Holberg‹-Suite. Mit 7 oder 8 Jahren habe ich damit im Kinderorchester meines Geigenlehrers Richard Lawrence zum ersten Mal Orchestererfahrung gesammelt und eine Konzertreise nach Montreal unternommen. Dieses Orchester war seinerzeit ein kleines Wunder; erstaunlich viele seiner Mitglieder sind Profi-Musiker geworden.

Das DSO ist … für mich eine große Familie. Ich schätze und geniesse es, mit meinen Kollegen und Freunden zu musizieren!

Wenn ich eine Zeitreise unternehmen könnte, … würde ich nach Wien um die Jahrhundertwende reisen und bis kurz vorm Ersten Weltkrieg bleiben. Ich wäre gern bei dieser musikalischen und intellektuellen Blütezeit dabeigewesen.

Das höre ich momentan am liebsten: Polkastra, ›Apolkalypse Now‹, eine unheimlich lustige CD von Lara St. John, einer Kindheitsbekannten, die auch im Kinderorchester spielte. Diese Musik bringt mich jedes Mal wieder zum Lachen.

Wenn ich nicht Bratsche spiele, … spiele ich Poker, stricke Mützen und gehe sehr gerne schwimmen, segeln und windsurfen. Diesen Winter habe ich mit Bikram Yoga angefangen, um mich zwischendurch aufzuwärmen.

Welche Tempobezeichnung entspricht am ehesten meinem Temperament?
Da ich mich nicht festlegen kann oder möchte, wähle ich ›Capriccioso‹.

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ist ein Ensemble der

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