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Metzmacher dirigiert Weber, Henze und Mendelssohn

Der Tagesspiegel, Berlin Kultur | 22.06.2008
Frederik Hanssen über das Symphoniekonzert am 20. Juni

Funkel-Mosaik

... Herrlich rauscht der edelmetallische Klang des Orchesters in der „Oberon“Ouvertüre auf, schwerelos in den virtuosen Violinläufen, honiggolden in den sehnsüchtigen Kantilenen. Ingo Metzmacher wirft sich mächtig ins Zeug, lässt die Arme fliegen, legt sich in die harmonischen Kurven, federt elastisch in den Knien ...

In Mendelssohn Bartholdys „Sommernachtstraum“-Schauspielmusik zeigt Ingo Metzmacher Charakter, treibt der Partitur alle Märchenromantik aus, kreiert einen deftigen, lebensprallen Sound, ideal für authentische Aufführungen in Shakespeares globe theatre. Die finalen Verse des Komödienklassikers, die Salome Kammer in biedermeierlicher Melodramatik deklamiert, möchte man dabei auch Ingo Metzmacher für seine nächste Berliner Saison zurufen: „Friede sei in diesem Schloss, und sein Herr ein Glücksgenoss’!“



Berliner Zeitung, Feuilleton | 25.06.2008
Peter Uehling über das ›Casual Concert‹ am 23. Juni

Aufgeknöpft

Nun ist's erst mal aus mit der "Deutschen Seele" beim Deutschen Symphonie-Orchester. Ingo Metzmacher dirigierte am Freitag das letzte Konzert im Rahmen seines ersten Saison-Themas und Teile daraus noch einmal am Montag im Casual Concert, der Discount-Reihe ohne Deodorant-Zwang bei freier Platzwahl. Auf dem Programm stand deutsche Musik auf den "Midsummer Night's Dream" - seit dem Biedermeier des Deutschen Lieblingsstück von Shakespeare, wegen seiner hellen Naturfantastik wohl, die sich ohne politischen oder auch nur psychologischen Doppelsinn als Traumwelt verstehen lässt. Da passt es nicht schlecht, dass im Casual Concert der Bundespräsident Horst Köhler als höchster Vertreter deutscher Politikverdrossenheit als Gast begrüßt werden konnte.

... Das von Metzmacher launig moderierte Programm zeigte, dass auch seine Taktik, die Probenzeiten bewusst zu reduzieren, um das Orchester stärker an die Stuhlkante zu ziehen, glänzend aufgeht: Die Virtuosität des DSO schien geradezu entfesselt. Die Temposchlenker, die Metzmacher fast altmodisch im Seitenthema von Webers "Oberon"-Ouvertüre anbrachte, wurden am Ende mit umso größerem Schwung wieder eingeholt. In Mendelssohn Bartholdys Musik zum "Sommernachtstraum" schlug er einen hellen, brillanten Ton an, zeigte aber auch Sinn für zwielichtige Farben - so impulsiv und doch musikalisch schlüssig hat man Orchester und Dirigent selten gehört. Salome Kammer fasste die Handlung vielstimmig zusammen, es sangen Miah Persson, Jossie Perez und die Damen des Ernst-Senff-Chores.

 

 
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