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Karita Mattila und Anssi Karttunen interpretieren Saariahos "Mirage"

Berliner Morgenpost | 4. April 2008
Klaus Geitel

Philharmonie: Finnischer ging's nimmer

"Mirage" von der Finnin Kaija Saariaho ist ein ganz und gar ungewöhnliches, gleichzeitig zündendes Werk. Es spielt nur eine knappe Viertelstunde, aber es prägt sich ein. Zu ihm haben gleich drei Orchester den Kompositionsauftrag erteilt. Vor wenigen Wochen hat Christoph Eschenbach mit dem Orchestre de Paris und der Sopranistin Karita Mattila, assistiert vom Solo-Cello Anssi Karttunens (beide auch in Berlin am Werk), die Uraufführung vollzogen. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, ein weiterer Auftraggeber, offerierte in der Philharmonie (in Anwesenheit der Komponistin) unter Jukka-Pekka Saraste die deutsche Erstaufführung, umrahmt von zwei Werken von Jean Sibelius. Finnischer ging's nimmer.

Bei "Mirage" handelt es sich um herausgesungene Anrufungen des Jenseitigen, unheimlich, packend, herausfordernd. Vergleichbares in der Neuen Musik gibt es nicht. Das Solo-Cello gibt sich von Anfang erregend virtuos. Karttunen ist ein Interpret der Extraklasse. Er spielt die Stimmung der Unheimlichkeit herauf, in der die Gesänge siedeln. Er umkreist, stimuliert sie, nebelt sie ein. Und dann erhebt sich die glockenreine Stimme Frau Mattilas, zögernd zuerst, fast angeheisert, dann aber sich immer voller entfaltend: eine wahre Dschungel-Sieglinde. Eine singende Verkünderin von schier einzigartiger vokaler Pracht.

Auf seltsame Art klang das ganze Programm zusammen, als hätten Saariahos herausgesungene Schreie ausgerechnet den Landsmann Sibelius aus dem musikalischen Jenseits ins Leben zurückgerufen: Seine immer wieder heftig angefeindete Originalität, wie sie sich in seiner 6. Sinfonie verströmt oder in der sinfonischen Miniatur "Der Barde", klingt wie eine kurze Grabrede in eigener Sache. Salonen leitete das DSO ausgezeichnet an, nur ausgerechnet in Debussys "La mer", Schlussstück des faszinierenden Abends, blieb die Wiedergabe zu sehr auf dem Trockenen.

 

 
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