Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

 
 

Vadim Repin spielt Prokofjews 1. Violinkonzert

Berliner Morgenpost | 13. Mai 2008
Felix Stephan

Ausnahmetalent Vadim Repin in der Philharmonie
Dem Dirigenten Stéphane Denève nach seinem ersten Berlinauftritt eine große Zukunft zu prophezeien - das fällt wahrlich nicht schwer. Der junge Franzose mit der wallenden Lockenmähne eroberte die prall gefüllte Philharmonie im Sturm. Gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester drang er zunächst tief in den Ravelschen Klangkosmos ein. Die "Ma Mère L'Oye"-Suite ließ Denève gemächlich fließen. Er genoss die exotischen Momente und hüllte die Musik in edle Parfümschleier. Einmal mehr waren die exquisiten Holzbläser des DSO zu bewundern. Die Streicher webten unterdessen feinste Klangteppiche. Hochinteressant die Kopplung mit Prokofieff. Die trickreichen Farbkombinationen in dessen erstem Violinkonzert schienen direkt auf Ravel zurückzugreifen. Über dem magischen Flirren der Streicher spannte sich Vadim Repins muskulöser, aber schlanker Geigenton. Das russische Ausnahmetalent schulterte Prokofieff mit beinahe unanständiger Leichtigkeit. Mal fügte sich Repin vorbildlich ins kammermusikalisch dichte Ensemblespiel, dann wieder schwamm er einsam oben auf. Obwohl Repin das Lyrische in Prokofieffs Violinkonzert hervorkehrte, wollte der Funke nicht so recht überspringen. Erst nach der Zugabe lag ihm das Publikum zu Füßen. Waghalsig hatte er sich in Paganinis teuflische "Molinara"-Etüde gestürzt und ein technisches Dauerfeuer auf die Zuhörer eröffnet. Repin verabschiedete sich spitzbübisch lächelnd. Nach der Pause krönte Stéphane Denève sein Berlindebüt mit Tschaikowskys Vierter Sinfonie. Temperamentvoll durchglühte er den ersten Satz, verknüpfte geistreich Bündiges mit Weitläufigem. Zurückhaltend graziös mutete die Canzone an. Die glückliche Erregung des Scherzos mündete im exzessiven Freudentaumel des furiosen Finales.