Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

 
 

Tasmin Little spielt Elgars Violinkonzert h-Moll

Berliner Zeitung | 19. Februar 2008
Wolfgang Fuhrmann

Fern vom musikantischen Gerumse Das DSO unter Leonard Slatkin in der Philharmonie
Ein richtig gutes Konzert ohne viel Wenn und Aber hat man mit dem Deutschen Symphonie-Orchester an diesem Wochenende in der Philharmonie erleben können. Der amerikanische Dirigent Leonard Slatkin dirigierte das DSO, und die britische Geigerin Tasmin Little spielte das Violinkonzert h-moll op. 61 von Edward Elgar. Wenn es irgendein Konzert gibt, das den Namen "symphonisch" verdient, dann ist es dieses Werk; im Vergleich dazu wirkt das Violinkonzert von Brahms wie leichtes Virtuosenfutter. Slatkin und Little wurden diesem Charakter vollständig gerecht, die Geige fädelte sich in das Orchester ein oder aus ihm heraus. Schon ihr erster Einsatz ist ja der unspektakulärste und doch rührendste Soloeinsatz der Musikgeschichte: Das Orchester stimmt noch einmal das ritterliche Hauptthema an, aber nur seine erste Hälfte, und die Geige führt es zu einem resignativen Ende. Hier wie auch sonst verzichtete Little auf jeden Akzent, jedes sentimentale Anreißen oder Ausstellen. Selbst die große Kadenz der Violine gegen Ende des Finales wirkte eher wie eine schwermütige Reminiszenz denn als Virtuosenstückchen, die aufsteigenden Doppelgriffe mühten sich erdenschwer, und wirklich endet die Kadenz ja mit derselben resignativen Wendung, mit der die Violine begonnen hatte. Man könnte sagen, Little habe hier der Diskretion etwas zu viel getan; immerhin scheint Elgar während der Komposition des Stücks in eine Frau verliebt gewesen zu sein, die mit seiner Gattin nur den Vornamen gemeinsam hatte. Aber der dunkle, glühende Ton von Littles Spiel ergab mit dieser Zurückhaltung der Artikulation einen leicht gequälten Kontrast, der dann doch ganz im Sinne des Erfinders war. Freilich, Leonard Slatkin hätte es vom Tempo her wohl gerne etwas forscher gehabt. Dieser Neigung konnte er dann bei Antonín Dvoraks 7. Symphonie in d-moll op. 70 nachgehen. Dieses großartige Stück bekommt man ja fast nie zu hören, und falls doch, dann selten so gut wie bei Slatkin, der das Derbe der Tanzrhythmen und das Ungedeckte der reinen Bläserfarben ausspielen kann, ohne die Feinheiten der Artikulation, der Nebenstimmen und der Harmonik unter den Tisch fallen zu lassen. So zeichnete Slatkin im Scherzo nicht nur die Cellomelodie, sondern auch den Kontrapunkt der oberen Streicher in ihren minutiös vorgeschriebenen Crescendi und Decrescendi genau nach, und wusste dabei auch noch exakt zwischen der Vorschrift fp (forte - piano) und einem fz-Akzent (forzando) zu unterscheiden. Das sind Details, die dem Hörer meist nicht aufkommen, auf die es aber in der Summe ankommt. Slatkin entfachte eine Verve, die sich von dem üblichen musikantischen Gerumse, mit dem Dvorak auch gerne gespielt wird, vorteilhaft unterschied. Und die Begeisterung des Publikums war am Sonntagabend auch überschwenglich. Da gab es eben, wie der Berliner sagt, nichts zu meckern.