Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

 
 

Zur neuen Spielzeit

Berliner Zeitung | 27. März 2007
Peter Uehling

Den deutschen Klang gibt es doch gar nicht Wie Ingo Metzmacher mit dem DSO auf Identitätssuche geht
Metzmacher wirkt jungenhafter und umgänglicher als die Bilder es vermitteln. Gestern stellte er in der Akademie der Künste am Pariser Platz die nächste Saison vor – die erste, die er als Chefdirigent verantwortet. Mit 15 einzustudierenden Programmen hat er sich viel vorgenommen und demonstriert auch mit dem weitgehenden Verzicht auf Tourneen seine ernste Absicht, das DSO in Berlin nach seinen Vorstellungen zu positionieren. Und diese Vorstellungen zeigen, dass Metzmacher, gleich seinen Fotografen, auf der Suche nach seiner Identität ist, genauer: nach seiner Identität als Deutscher. Mit Hans Pfitzners Eichendorff-Kantate ›Von deutscher Seele‹ hat er zum Tag der Deutschen Einheit gleich ein im besten Sinne fragwürdiges Stück ausgewählt. Eine andere Seite deutscher Musik soll Kurt Weills Musik zu Georg Kaisers ›Silbersee‹ repräsentieren – es war das letzte Stück, das Weill in Deutschland uraufführen konnte. Metzmacher stellt das Klischee des deutschen Tons in Gestalt von Franz Liszts ›Les Préludes‹, der Titelmusik der Wehrmachtsberichte, ebenso zur Diskussion wie seine eher unbekannten Vorläufer: In Schumanns Oratorium ›Das Paradies und die Peri‹ vernimmt er einen deutschen Ton, von dem Wagner viel übernommen hätte. Gleichwohl will Metzmacher keinem »deutschen Klang nachjagen«, den gäbe es nicht, und gerade das Vielgestaltige sei doch Kennzeichen des deutschen Klangs. [...] Doch davon abgesehen setzt Ingo Metzmacher einen zweiten Schwerpunkt: die Entwicklung des Orchester zu jenem modernen »Tuschkasten«, als der es sich heute darbietet. So soll ein Konzert illustrieren, was Edgar Varèse von Richard Strauss’ ›Heldenleben‹ gelernt hat. [...] Die schönste Aussicht bot jedoch Metzmachers Konzert, das er am Wochenende in der Philharmonie dirigiert hat: ein intelligentes Programm mit sinfonischen Adaptionen von Andersen-Märchen, ein Orchesterklang von aufregender Präzision und klanglicher Delikatesse, Glamour in Gestalt der Sängerin Susan Graham. [...] Sollte sich das DSO auf diesem Niveau stabiliseren, auf dem Klänge nicht nur sinnlich fließen, sondern Material der Form werden, den Philharmonikern erwüchse gefährliche Konkurrenz.

Die Welt | 27. März 2007

Ingo Metzmacher will mit dem DSO ins Internet gehen
Bei der Berliner Pressekonferenz zu seinem Antritt als Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters (DSO) gab Ingo Metzmacher bekannt, dass man in der nächsten Saison das DSO – wie schon bereits das Leipziger Gewandhausorchester – auch im Internet wird hören können. Ausgewählte Konzerte werden in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandradio und der Plattenfirma Decca bei allen einschlägigen Internet-Anbietern weltweit als digitales Download erhältlich sein. Zudem veröffentlicht die Decca eines dieser Programme alljährlich auch als Audio-CD. Metzmacher startet seine Konzertsaison am 7. September, dem Gründungstag des DSO, mit einem Festkonzert zu dessen 60. Geburtstag. Am 3. Oktober stellt er dann Pfitzners Eichendorff-Kantate ›Von deutscher Seele‹ zur Diskussion.

Frankfurter Allgemeine Zeitung | 27. März 2007

Metzmacher plant neues Musikfestival
Der künftige Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, Ingo Metzmacher, will ein neus Musikfestival zu Ostern etablieren. Dem Werk Johann Sebastian Bachs soll dabei die Musik eines Komponisten gegenübergestellt werden, der sich ebenfalls intensiv mit religiösen Themen beschäftigt habe. Für das Jahr 2008 fällt de Wahl auf Olivier Messiaen anlässlich seines hundertsten Geburtstages. Mit ›Casual Concerts‹ möchte Metzmacher Menschen für Klassik begeistern, denen bislang der Zugang zu dieser Musik fehlte. »Es wird insgesamt etwas lockerer zugehen«, sagte er. Musiker und Dirigent träten in Freizeitkleidung auf, das Publikum solle ebenfalls leger gekleidet erscheinen.