Eröffnung der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Redefin | Konzert 19.06.
Ostseezeitung | 21.06.2010
Ekkehard Ochs
Großartige Orchesterkunst in Redefin
Sich wiederholen zu müssen, kann lästig, aber auch ein Vergnügen sein, wenn es sich um wiederkehrende Veranstaltungen mit hohem Erwartungswert handelt. Hinsichtlich Redefins und seiner langjährigen Präsentation im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern steht Letzteres außer Zweifel.
Nicht verwunderlich also, dass sich das vorgestrige Picknick unter in allerdings etwas kühler Luft rauschenden Uraltbäumen sowie die Vorführungen des Gestüts wieder großer Beliebtheit erfreuten und dem weitläufigen Gelände das vertraute Ambiente eines sommerlichen Gesellschaftsfestes verliehen. Vertraut auch der so eigene Reithallencharme sowie die spürbare Vorfreude von fast 3000 Besuchern auf gern gesehene Festspielgäste: Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Kent Nagano. Auch hier durfte das Sich-Wiederholen von Eindrücken erwartet werden, allerdings in sehr spezifischem Sinne. Denn Nagano steht für ein besonders innovatives, oft recht eigenwilliges Interpretieren. Dies gern auch dort, wo Gestaltungspfade bereits breiten, bequemen Straßen gleichen. Natürlich nicht in Redefin!
Dort startete er mit Mozarts ›Don Giovanni‹-Ouvertüre schon sehr direkt, kontrastreich und bildkräftig: Merkmale eines dramatisch geschärften und vor Spannung vibrierenden Herangehens, das sich bei Richard Strauss’ kolossaler Tondichtung ›Don Juan‹ zu einem explosiven Gemisch verdichtete. Hier ließ der Meister so sparsamer wie wirkungsvoller dirigentischer Gestik wirklich keine Möglichkeit aus, die in Nikolaus Lenaus textlicher Vorlage und Straussens umwerfender Vorlage immer wieder beschworene »reuelose« Leidenschaftlichkeit des Fraueneroberers, den immerwährenden und sich stets erneuernden »Sturm des Genusses« voll auszukosten. Eine hinreißende Demonstration faszinierender, weil bis ins letzte Detail ausgefeilter und höchst klangsinnlich ausgekosteter Interpretation.
Auf klassisch gemäßigte Weise galt das auch für Beethovens 4. Klavierkonzert. Hier setzte die Japanerin Mari Kodama ganz eigene Akzente und bot statt meist üblicher gefühlvoller Lyrik eher glasklare, etwas kühle, aber sehr wirkungsvolle pianistische Feinfühligkeit (1. Satz), wenn sie denn nicht – wie etwa im Finale – die meist erwartete eher spielerisch leichte Note durch kraftvolles und eher beethovensch heroisches Spiel ersetzte. Dafür gab es viel Beifall, in den man gern das wiederum höchst eindrucksvoll musizierende Deutsche Symphonie-Orchester einschloss.
