Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

 
 

26.05. Filmmusik im Kino Babylon

Der Tagesspiegel | 28.05.2010
Carsten Niemann

Schnitte und Schreie: Das DSO im Kino Babylon Mitte

›So this is Paris‹ locken die Lettern am Kino Babylon: die erste kleine Lüge des Abends. Denn Ernst Lubitschs 1926 gedrehte Seitensprungkomödie spiegelt das Leben im legendär libertären Berlin. Für das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das den Streifen live begleitet, bietet das Werk eine Vielzahl von Ereignissen, die musikalisch umgesetzt werden wollen. Arrangeur Helmut Imig hat für jede Situation den richtigen Tonfall parat und weiß seine Vorlagen, die von Louis Moreau Gottschalck über Sibelius bis hin zu Gershwin-Anklängen reichen, mit effektvoller Schnitttechnik dem Bild zu unterlegen: Da bricht ein Ballettkorrepetitor zu einem Violinsolo in spitzes Gelächter aus, verdichtet sich das Lügengespinst des doppelt untreuen Hauptdarstellerpaars zu minutiös begleiteten Augenaufschlägen und kulminiert die Handlung in einem Charleston-Wettbewerb. Der ist wechselweise live und als Übertragung im Dampfradio zu hören. Neben den Instrumentationseffekten macht auch die schiere physische Präsenz des unter Ingo Metzmacher lustvoll spielenden, wenn auch bisweilen etwas grobkörnig intonierenden Orchesters deutlich, warum sich die wichtigen Kinos der Stummfilmzeit so große Klangkörper leisteten.