Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

 
 

13.04. Ollikainen

Der Tagesspiegel | 15.04.2010
Ulrich Amling

Hindernisritt: Eva Ollikainen und das DSO in der Philharmonie

In Finnland wissen sie, wie man Maestri macht. Wer an der Sibelius-Akademie bei Jorma Panula studiert hat, ist reif für eine internationale Karriere. Lediglich drei Minuten brauche er, um ein außergewöhnliches Talent zu entdecken, hat der berühmteste Dirigierlehrer der Welt, Jahrgang 1930, einmal verraten. Und dann geht die Arbeit richtig los. Auch Eva Ollikainen, 28, ist durch Panulas Taktgeberschmiede gegangen. Mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin tritt sie in der Nachwuchsreihe „Debüt im Deutschlandradio“ erstmals in Deutschland auf. Eine entschlossene Dirigentin, sportlich, klar, souverän. Ihre Aura ist so pragmatisch wie die einer Hindernisreiterin, der Taktstock wird in ihren Händen zu Zügeln. Das verträgt sich zunächst gut mit dem Programm des Abends, das in der Philharmonie Werke versammelt, die nach einem populären Musikidiom streben: Lutoslawskis volksmusikgesättigte „Mala suita“, Barbers zwischen Schlichtheit und Virtuosität pendelndes Violinkonzert, Jolivets beinahe improvisiertes Fagottkonzert und Bernsteins krachende Tänze aus der „West Side Story“. Ollikainen findet für alles das richtige Tempo und genießt den unbedingten Respekt der Musiker. Doch das Herz scheint gut geschützt, verborgen unter Agilität. Barbers Violinkonzert gerät so merkwürdig fahl, auch weil der junge Eugene Ugorski einen eher monochromen Geigenton pflegt. Das Wichtigste steht nicht in den Noten, sagt man. Es zu finden, dauert ein Leben lang.