9.03. Innsbruck
Tiroler Tageszeitung | 11.03.2010
Ursula Strohal
Blühend, glühend, geschmeidig
Die Innsbrucker Meisterkonzerte fallen nicht immer meisterlich aus. Ingo Metzmacher und das DSO waren aber ein Ereignis.
Innsbruck – Ingo Metzmacher, herausragend unter den Dirigenten der mittleren Generation, der mit seinen unkonventionellen Programmen viel neues Publikum gewinnt, musiziert mit seinem ganzen Körper, seiner Mimik, seinem Mund, seinem Blick. Zwischen ihm und der Musik, scheint es, ereignet sich der Austausch von Leben und so mag das Fehlen routinierter Gesten, seine unglaubliche Detailarbeit und bei den Musikern diese Gegenwärtigkeit und pulsierende Vitalität erklärlich sein. Das bedeutet freilich nicht Triumph, sondern eine innere Haltung, die aus strömender Ruhe ihre Aufschwünge aus innerer Logik aufbaut.
Noch ist Metzmacher, der das Deutsche Symphonieorchester Berlin wegen eines rigoros verordneten Sparkurses verlässt, mit seinem DSO unterwegs. Auf dem Programm im Congress standen am Dienstag Ludwig van Beethovens Violinkonzert und die komplette Ballettmusik ›Der Feuervogel‹ von Igor Strawinsky. Eine so blühende, glühende, blitzende, geschmeidige Orchesterarbeit – keine Demonstration – war lange nicht mehr zu hören.
Metzmacher gestaltet bildhaft die Klangwelt der russischen Märchen, das Orchester wird zu einem farbsprühenden Organismus von ungeheurem Reichtum. Mit fabelhafter Präzision erreichen die Musiker inmitten der Melodielinien, durchschlagenden Rhythmen, harmonischen Risiken, instrumentalen Finessen und Effekte eine verblüffende Transparenz. Nie macht sich das Orchester zum betulichen Erzähler. Die Gleichzeitigkeit von Darstellung und gewahrter Abstraktion ist ein Markenzeichen Metzmachers.
Bei Beethovens Violinkonzert hielt sich das Orchester zurück, gab dem Solisten Leonidas Kavakos viel Raum. Kavakos, mit Metzmacher in der Ablehnung von dominanten Alleingängen einig, entwickelte in seiner introvertierten Urmusikalität den ersten Satz aus abwartender Sachlichkeit und nahm den Hörer mit ins Abenteuer Fortspinnung. Über dem Werk lag ein einziger großer Bogen, die inneren Monologe, der elegante Klang, das feine Nuancieren zogen tief hinein in Beethovens großen Atem.
