Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

 

Pietari Inkinen und Julian Rachlin beim DSO Berlin | Konzert 13.11.

Der Tagesspiegel | 15.11.09
Isabel Herzfeld

Eruptiv intensiv: Pietari Inkinen in der Philharmonie Das finnische Dirigentenwunder geht weiter: Zum zweiten Mal am Pult des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, besticht der kaum 30-jährige Pietari Inkinen erneut durch Brillanz und Klangsensibilität. Griegs ›Peer Gynt‹-Suite lenkt er quasi aus dem Augenwinkel, entlockt dem ihm völlig ergebenen Orchester samtig-saftigen Streicherklang, rhythmische Eleganz und blitzendes Temperament. Inkinens Intensität ruft bei Schostakowitschs Fünfter Begeisterung hervor; wann klangen die energischen Unisono- Rhythmen des Anfangs so gemeißelt, verdämmerte das Largo nach atemverschlagendem Aufbegehren in solch todtraurigen Piano-Nuancen? Und wenn die Finalkonflikte so heftig sind wie hier, ist auch klar, dass der Durchbruch zum C-Dur- Licht nur gewaltsam sein kann, verzweifelter Kampf ums Überleben.

In der Rolle des Begleiters tut sich der junge Pultstar schwerer, findet in Sibelius’ Violinkonzert mit seinem exzellenten Solisten Julian Rachlin zunächst nicht die rechte Balance. Wie sich Rachlin mit zart-eindringlichem Ton gegen das oft recht massive Orchester durchsetzt, fasziniert da umso mehr. Im feurigen Finale können dann endlich alle Beteiligten wie befreit aufspielen und die dämonischen Funken stieben lassen – zur allgemeinen Begeisterung.



Berliner Morgenpost | 15.11.09
Klaus Geitel

Ein junger Finne erobert die Herzen in der Philharmonie

Es fing so harmlos an. Am Beginn des Konzerts des Deutschen Symphonie Orchesters unter dem jungen Finnen Pietari Inkinen in der Philharmonie stand liebenswürdig und herzlich gestrig die 1. Suite aus Griegs ›Peer Gynt‹-Musik.

Schon danach erntete Inkinen den herzlichsten Beifall. Er ist zweifellos ein Dirigent nach dem Herzen des Publikums - und hörbar nach dem Herzen der Musiker auch. Man sollte sich ernsthaft überlegen, ob man in dem jungen Finnen, der einstweilen noch als Chef des Neuseeländischen Sinfonieorchesters amtiert, nicht einen vielversprechenden Nachfolger für Ingo Metzmacher an der Angel hat. Denn in den folgenden, kniffligeren Stücken zeigte er eine durchaus glückliche Hand.
Nun ist Schostakowitschs 5. Sinfonie, die ›Wiedergutmachungs‹ -Sinfonie, geradezu so etwas wie Kraftfutter für junge Dirigenten. Die Sinfonie kriecht gewissermaßen immer wieder zu Kreuze, allerdings bloß um es am Ende radikal umzuschmeißen. Die lärmende Freudenmusik des Finales klingt wie vergiftet. Lehrreich war es aber auch, das Violinkonzert von Sibelius wiederzuhören. Seine Originalität besteht darin, keinen Vorschriften zu folgen. Das spielten Inkinen, er selber, wie es heißt, ein ausgezeichneter Geiger, und Julian Rachlin, sein Solist, deutlich heraus. Beide ernteten Triumph.