›Versuchung‹ (1.) | Konzert 5.10.
Berliner Morgenpost | 7.10.2009
Volker Tarnow
Metzmacher entmystifiziert Bergs Musik
Ingo Metzmacher dirigiert Alban Berg, und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO) verwandelt sich dabei in ein Rieseninstrument von erstaunlicher Tiefenschärfe und Farbigkeit. Besonders die klanglich exquisite Vielseitigkeit der Streicher beeindruckt - nicht nur in der Lyrischen Suite von 1926, die Lachenmanns Idee einer 'Musique concrète instrumentale' um vier Jahrzehnte vorwegnimmt.
In der großen Besetzung lässt sich dieser Materialklang, diese denkbar raffinierteste instrumentale Schönfärberei, viel besser realisieren als in der ursprünglichen Quartettfassung.
Spieltechnisch eine Lehrstunde des DSO. Auch bewährte sich Metzmacher wieder als Dirigent der Moderne, als einer der ganz wenigen, die sich nicht in Holzhacker verwandeln, wenn es um Musik des 20. Jahrhunderts geht. Sein Auftritt in der Philharmonie war optisch eine Wohltat, die Zeichengebung klar und elegant. Doch ist man damit noch nicht über den Berg. Der einzige erfolgreiche Zwölftöner der Musikgeschichte stammte bekanntlich aus Wien - lebenslustige Dekadenz, schlecht sublimierte Begierden und Todestrunkenheit gehören zu seiner Musik wie die Melange zur Sachertorte.
