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Das DSO bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern

Nordkurier | 07. 07.2009
Ekkehard Ochs

Ein Wochenende mit Hélène Grimaud
Die berühmte französische Pianistin begeisterte ihre Zuhörer in der Neubrandenburger Konzertkirche und der Konzertscheune am Gutshaus Stolpe.
Neubrandenburg (OZ) - Hélène Grimaud zum Zweiten und zum Dritten! Nach dem Soloabend in Rostock haben die Festspiele MV ihren französischen Stargast nun noch in Neubrandenburg und Stolpe präsentiert. Damit kamen sie ihrer Vorstellung von drei „Porträts“ recht nahe, zumal sich der Aktionsrahmen nun auf das Zusammenwirken mit großer vokalsinfonischer Besetzung (Neubrandenburg) und Kammerorchester (Stolpe) ausweitete.

Erstere sicherte am Sonnabend den wohl überzeugendsten Abend. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, der Ernst Senff Chor Berlin, Knaben des Staats- und Domchores Berlin, Toby Spencer (Tenor) und Hélène Grimaud als Solistin wie Rezitatorin (!) sorgten mit Ravels „Le Tombeau de Couperin“ (Orchesterfassung 1919), dessen G -Dur-Klavierkonzert und Strawinskys Melodram „Perséphone“ für ein von vornherein preisverdächtiges Programm.

Und so wurde es das erwartete denkwürdige Konzert: Mit den so wunderschön französischen, fein ziselierten und klangfarbenreichen Sätzen des „Le Tombeau“ und einem neoklassisch-abgeklärten Strawinsky, der, obwohl kaum bekannt, in einer vorzüglichen Aufführung als quasi Neuentdeckung Furore machte. Strawinsky als bekennender, origineller Melodiker, als Schöpfer klangschöner Musik — wann hat man das schon! Chöre, Orchester und Toby Spencer ließen hier unter Hans Grafs souveräner Leitung keine Wünsche offen. Im Gedächtnis bleibt sicher auch Hélène Grimauds dunkel samtige Stimme — und dann natürlich jener brillante Parforce-Ritt über die Tasten, den Ravels Klavierkonzert von ihr forderte. Überzeugender kann man dieses Werk kaum musizieren: traumwandlerisch sicher, im Leisen wie Kraftvollen markant artikuliert, voll sprühender, stets gebändigter Energie und mitreißender Spielfreudigkeit. Hier schienen alle Vorstellungen des Komponisten erfüllt, der ein „heiteres und brillantes“ Werk hatte schreiben wollen. Toppen ließ sich dieser inspirierende Abend in der Neubrandenburger Konzertkirche einen Tag später in Stolpe nur hinsichtlich des phantastisch naturnahen Ambientes dort. Dabei gab es mit dem Kammerochester (Streicherbesetzung) des Bayerischen Rundfunks ein vorzüglich musizierendes Ensemble, dem man bei Bachs 3. Brandenburgischen Konzert lediglich und schon der gewaltigen Raumgröße wegen herzhaftere Artikulation gewünscht hätte. Für diese und einiges mehr sorgte Hélène Grimaud selbst bei Bachs d-Moll-Konzert (BWV 1048).

Auf „ihrem“ personengebundenen, für alle drei Konzerte benutzten und stets bewusst „hart“ gestimmten Flügel (!) präsentierte sie einen Bach mit scharfem linearen Profil — und dennoch dominierender spielerischer Vehemenz. Konstantin Sylvestrows romantisch-elegische „Vier Postludien“ für Klavier und Streicher waren dagegen eine zu vernachlässigende Position in einem Programm, das dann sehr schön mit Dvoraks musizierfreudiger Streicherserenade op. 22 abschloss.

 

 
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