Debüt im Deutschlandradio Kultur
Tagesspiegel | 17. 06.2009
Ulrich Pollmann
Der reine Ton: Jugendförderung beim DSO
Gleich drei junge Talente präsentiert das DSO im Rahmen der Reihe Debüt im Deutschlandradio Kultur am Sonntag in der Philharmonie, vier Werke des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, sinfonische Dichtungen und Solistenkonzerte sind zu hören. Vor allem aus endlosen Kantilenen besteht der Solopart des Oboenkonzerts von Richard Strauss, der 23-jährige Russe Ivan Podyomov spielt sie mit makelloser Geschmeidigkeit. Und macht das Beste aus dem vom Komponisten nicht geschätzten Gelegenheitsstück, 1945 auf Anregung eines amerikanischen GIs entstanden. Dirigent des Abends ist der in Kasachstan geborene Alan Buribayev, der als Chef zweier Orchester allerdings wohl kaum noch Förderung benötigt. Das DSO, das wie eigentlich immer in dieser der Nachwuchspräsentation gewidmeten Reihe hochmotiviert spielt, führt er schon im Eingangsstück, dem „Danse macabre“ von SaintSaëns, mit viel Temperament zu pointiert-spritziger Klanglichkeit, Mussorgskys sinfonische Schauerdichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ gerät ihm nach der Pause zu einem bizarr-irrlichternden Kabinettstück. Höhepunkt des Abends wird Edward Elgars Cellokonzert von 1919, ein spätromantisches Bekenntnisstück, dem die Melancholie des sich auflösenden Empire eingeschrieben ist. Die 22-jährige Marie-Elisabeth Hecker gestaltet die schmerzerfüllte Melodik des vom Tod der Frau des Komponisten geprägten Stücks mit staunenswerter Hingabe. Lang anhaltender Applaus für diese Aufführung, die Solistin und Dirigent in harmonischem Zusammenspiel meistern.
