Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

 
 

Aufbruch 1909 (6.) - Ingo Metzmacher dirigiert Mahler und Schönberg

Berliner Morgenpost | 29. 05.2009
Klaus Geitel

Mit Metzmacher durch die Hölle einer Beziehung

Anspruchsvoller kann man keinen Konzertzyklus beenden. ›Aufbruch 1909‹ hatten Ingo Metzmacher und das Deutsche Symphonie Orchester ihren gemeinsamen Zyklus in der Philharmonie genannt.
A An seiner Endstation koppelten sie nun die musikalischen Herausforderungen ins geradezu Unüberbietbare. Sie schlossen Mahlers ›Lied von der Erde‹ und Schönbergs Monodram ›Erwartung‹ zusammen: zwei der herausforderndsten Werke bis auf den heutigen Tag. Vor allem in Schönbergs Apotheose des Angstschreis lief die Aufführung, musikalisch fortgesetzt aufs Feinste gehetzt, der interpretatorischen Vollkommenheit entgegen.
›Erwartung‹ schildert nichts anderes als den Weg des Schreckens zu einem nächtlichen Rendezvous, an dessen Ende die verstörte, ständig aus Neue beängstigte, immerfort schier außer sich gebrachte Frau am Ende auf die Leiche des Geliebten stößt. Es ist buchstäblich ein Weg durch die PsychoHölle, den Schönberg mit winzigen, dahersingenden, daherzitternden Stolpersteinchen besät hat. In Angela Denoke mit ihrem farbenreichen Sensationssopran fand das Werk eine großartige, gleichzeitig feinfühlende Interpretin.
Das Werk ist ein einziger großer Appell an die Phantasie, von Metzmacher, Frau Denoke und dem Orchester ausgeforscht und immer wieder aufblitzend dargelegt. Damit konnte das ›Lied von der Erde‹ mit seiner Wehmut, seiner Tristesse nicht konkurrieren. Christianne Stotijn sang ihre ausladende Mezzopartie mit außerordentlichem Feingefühl. Stephen Gould erwies sich mit seinem stabilen Heldentenor als robust singender sinfonischer Ballermann.