DSO und Rias-Kammerchor glänzen mit Mendelssohns kraftvollem Oratorium
Tagesspiegel | 12. | 13. 04.2009
Daniel Wixforth
Frei: Das DSO-Freitagskonzert mit Bach und Mendellsohn
Zur Abwechslung geht es beim Deutschen Symphonie Orchester diesmal um Berührung, nicht um Trennung. Bach der Berührende, Mendelssohn der Berührte. Das Credo des Karfreitagskonzerts unter Andrew Manze: Bei Mendelssohn hört man immer auch ein bisschen Bach. Dass Manze die Sprache des Barock zutiefst durchdrungen hat, beweist der Londoner dabei erneut eindrücklich. Wie architektonisch er in Bachs Orchestersuite Nr. 3 das Geschehen formt, die Polyphonie seziert, ohne ihr dabei nur einen Hauch Lebendigkeit zu rauben, das ist bemerkenswert. Dazu ein DSO, das dieser Lesart mit fabelhafter Strenge nachkommt und selbst im festlichen Bourée-Satz kein Stück an Contenance verliert. Auch nach der Pause stehen sich im letzten Contrapunctus aus der „Kunst der Fuge“ akademischer Reiz und klanglicher Genuss nicht gegenüber, sie ergänzen sich fruchtbar. B-A-C-H als frei atmendes Lehrstück, als Tonsatztheorie in vitalster Form.
Und dann ist da Mendelssohn, der Berührte. Der Knackpunkt: Im 1. Klavierkonzert spielt Pianist Steven Hough das Verknüpfungsspiel nicht mit. Und er tut gut daran. Zwischen Hammerschlag-Attitüde im Kopfsatz und aufwühlender Lyrik im Andante schafft er virtuose, romantische Ausdrucksebenen, die dem Werk gerecht werden, gerade weil sie mögliche Bach-Rezeptionen ausklammern. In der Reformationssymphonie hingegen gibt es subtile Beziehungen – und es wirkt unnötig plakativ, wenn Manze die religiöse Semantik des Werkes in pompösen Klang umsetzt; und wenn er im 3. und 4. Satz Bach’sche Manieren überdeutlich herausstellt. Das DSO folgt ihm willig. Nur wirklich überzeugt klingt es dabei nicht immer.