Drei große Russen: Ljadow, Skrjabin, Rachmaninoff
Der Tagesspiegel, Kultur | 16.02.2009
Isabel Herzfeld
Ewige Wellen
Russische Seele pur. Das Programm, mit dem Constantinos Carydis beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin gastiert, durchflutet die Philharmonie mit klanglichen Höhenflügen, und der Dirigent vermag sie zunächst auch zu gestalten. ›Le Poème de l’extase‹, erster Höhepunkt im Schaffen Alexander Skrjabins, ruft enthusiastischen Beifall hervor. Den Signalen der fünf Trompeten, dem Drive von acht Hörnern, dem Orgelgebrause und Glockenklang zum Schluss kann sich auch der nicht entziehen, dem die Klangflut in ihren ewigen Wellenbewegungen irgendwann zu viel wird. Carydis entfaltet auch Anatol Ljadows ›Kikimora‹ – eine von einem bösen Kobold handelnde »Orchesterlegende« – quasi aus dem Nichts. Doch bei Rachmaninoffs Klavierkonzert Nr. 3, wegen seiner technischen Schwierigkeiten auch »Konzert für Elefanten« genannt, scheint der Dirigent wie gelähmt zu sein. Garrick Ohlsson, der das berühmte »Rach 3« ohne Fehl und Tadel, aber mit ein wenig hartem Zugriff serviert, lässt er weitgehend den Vortritt, nicht zum Besten des Werkes. Es erscheint dadurch auf seine Virtuosität reduziert und erschöpft sich in funkelnden Figurationen, donnernden Akkordpassagen und filmreifen Sehnsuchtskantilenen. Tempounstimmigkeiten zeugen davon, wie zwei unterschiedliche Temperamente hier einander ausbremsen – was der Begeisterung des Publikums keinen Abbruch tut.
