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Das DSO beim >Ultraschall< Festival für Neue Musik (I)

Der Tagesspiegel Kultur, Kurz & Kritisch | 27. 01. 2009
Sybill Mahlke

Wenn ein Orchester Zerstörung will

Das Faszinosum großes Orchester, eine lukullische Tafel für Komponisten, lockt das Festival ›Ultraschall‹ (noch bis 1. Februar, www.kulturradio.de) in das Haus des Rundfunks. Hier, woe die ehemalige SFB-Reihe ›Musik der Gegenwart‹, nun unter der Ägide von RBB und Deutschlandradio Kultur, ihr 204. Konzert erreicht, geht es einmal nicht um das musikalische Erbe der DDR: Dieser Themenschwerpunkt prägte das Wochenende im Radialsystem. Gewinn des Abends im Großen Sendesaal ist vor allem die Mitwirkung des Deutschen Symphonie-Orchesters, weil die Musiker sich aus ihrer Tradition heraus mit verantwortlichem Engagement und Wachheit für die Aufführungen einsetzen. Neue Musik hat sich auch Roland Kluttig zu einem Hauptanliegen gemacht, gebürtig aus Radeberg, Lachenmann- und Nono-Dirigent an der Oper Stuttgart. Er gibt dem Orchester die sorgende Präzision vor, auf die es bauen kann. Das Programm aus Erstaufführungen erfolgreicher Komponisten, sachlich für die Live-Übertragung moderiert von Margarete Zander (RBB), nimmt sich eher beliebig aus. ›Zerstören II‹ von Iris ter Schiphorst übt Orchestergewalt, um differenzierend mit Energie umgehen zu können. Das geschieht mit mutierenden Tönen, Samples und Live-Klängen, die fremd-vertraut sind. Als Intermezzo lässt Franco Donatonis ›Orchesterübung‹ hören, wie inspiriert ein Italiener B-a-c-h singt und dramatisiert. Ein ›Altbau‹ ist für Enno Poppe das Orchester, und der Komponist sucht und findet darin, was als Erinnerung aufblüht und in enger Lage schmerzt: Farben, Impressionismus, Eigenklang.




Berliner Morgenpost, Kultur | 29. 01.2009
Volker Tarnow

Ultraschall sucht nach der DDR-Moderne

Nach der Relevanz moderner Musik aus der DDR zu fragen, ist ein mutiges Unterfangen. Vor allem, wenn die Nachwirkungen dieser Musik über 1990 hinaus bedacht werden sollen. Für Ultraschall, das jetzt zum zehnten Mal stattfindende Festival, erwies es sich als programmatisch unlösbares Problem.
... Das von Roland Kluttig glänzend disponierte Deutsche Symphonie-Orchester Berlin plädierte im Großen Sendesaal des RBB überzeugend für Gegenwartsmusik. Mit ›Zerstören II‹ (2006) legte Iris ter Schiphorst ein keineswegs destruktives, sondern spannendes, streckenweise unheimlich intensiven Werk vor. Es reiht nicht wahllos Klänge und Geräusche aneinander, sondern entrollt ein großes und, trotz Textzuspielung, unaussprechliches Drama. Hier gelingt es endlich auch einmal, das Keybord gleichermaßen als Kontrast und Komplement des Orchesters einzusetzen, anstatt ihm nur belanglose Samples zu entlocken.
›Zerstören II‹ ist ein Meisterstück und Iris ter Schiphorst auf dem Weg in die allererste Reihe zeitgenössischer Komponisten.
Diese Position peilt auch Enno Poppe an. Sein ›Altbau‹ (2008) wirkt im ersten Satz wie mit vertrackten Rhythmen möbliert, im zweiten Raum geht es eleganter zu. Er wolle die staubigen Ecken zeigen, nicht den aprikosefarbenen Anstrich, hatte der Komponist zuvor erklärt. Aber das Gegenteil ist der Fall; ›Altbau‹ thematisiert unüberhörbar ein Designer-Atelier. Vielleicht sollte Poppe noch ein drittes Zimmer anbauen, ihm würden wir übertriebenen Wohnraumkonsum durchaus zugestehen.
Zwischen Poppe und Schiphorst erklangen ›Voci‹ (1972) von Franco Dona toni, eine angenehme, wenngleich wenig aufregende Orchesterübung. Fazit: Die zeitgenössische Musik anno 2009 ist um ein Vielfaches interessanter als die Moderne der 70er Jahre. ...

 

 
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