Der Tagesspiegel, Kultur, Kurz & Kritisch | 09.12.2008
Ulrich Pollmann
Pianist in Champagnerlaune
Gleich im Dreierpack präsentiert das DSO in der Philharmonie junge Talente: Im Rahmen der Reihe Debüt im Deutschlandradio spielt der 23-jährige amerikanische Geiger Stefan Jackiw das 3. Violinkonzert von Saint-Saëns mit glasklarem, bisweilen etwas kühlem Ton, findet aber im volksliedhaften Mittelsatz zu unverstellter Sanglichkeit. Dabei umschifft er die Grenze zum Kitsch geflissentlich. Mit reißend dann die tänzerischen Doppelgriffpassagen des Finales, danach eine ganz zarte Zugabe. Publikumsliebling des Abends wird der russischstämmige israelische Pianist Boris Giltburg. Er genießt Prokofjews 3. Klavierkonzert wie eine Champagner-Degustation. Geradezu spielerisch wirkt seine knochen trockene Präzision, ein Vergnügen, seinen Händen bei den Bewegungsabläufen zuzusehen. Den unzähligen Brüchen, Wechseln und Kontrasten des Werkes grübelt er nicht hinterher, er umarmt sie wie übermütige Kinder. Und legt mit Prokofjews Ballettmusik aus Romeo und Julia noch mal nach.
Überzeugen kann auch der Dritte im Bunde, der französische Dirigent Jean Deroyer. Er ist Spezialist für Neue Musik, arbeitete mit dem renommierten Ensemble Intercontemporain und dem Klang forum Wien nebst einer für einen 30-Jährigen schwer beeindruckenden Zahl anderer Klangkörper. Vor allem Magnus Lindbergs farbenprächtiges Werk ›Feria‹ entfaltet er zu hymnischer Expressivität, ein Paradestück auch für das bestens aufgelegte DSO.