Debüt im Deutschlandradio Kultur
Tagesspiegel | 27. April 2007
Ulrich Pollmann
Schillernde Farben, subtile Töne
Wenn man Musik von Dvorák hört, fragt man sich unwillkürlich, was für seltsame Probleme Zeitgenossen wie Mahler wohl auf der Seele gelastet haben. Der junge tschechische Dirigent Jakub Hrusa jedenfalls lässt Dvoráks Karneval-Ouvertüre in der Philharmonie schlank, elegant, im richtigen Moment ein wenig sentimental erklingen, das Stück wiegt sich leicht im Wind wie eine junge Weide. Keine Spur von Fin de Siècle, geschweige denn vom Untergang des Abendlands, dabei war Prag doch auch damals schon nahe bei Wien. Oder doch nicht? Ehrensache, dass das Deutsche Symphonie-Orchester Hrusa im Rahmen der Reihe ›Debüt im Deutschlandradio‹ nach Kräften unterstützt, geht es doch darum, Nachwuchsmusikern ein Podium zu bieten. Wovon dann auch die 19-jährige Geigerin Nicola Benedetti profitiert. Bestens abgestimmt mit dem Dirigenten genießt sie die glutvollen Passagen in den Ecksätzen, lediglich im Adagio fehlt ihr noch ein wenig Überblick über die weit ausgreifenden Melodiebögen. Dass Christoph Eß das erste Hornkonzert in Es-Dur von Richard Strauss für sein Debüt wählt, ist sicher nicht nur der Namensparallele geschuldet, es gibt schlicht nicht viele dankbare Hornkonzerte. Der 23-Jährige überzeugt besonders im langsamen Satz mit subtilem Tonfall, überraschenden Abschattierungen. Zum Schluss dann noch einmal Dvorák, dessen Tondichtung ›Das goldene Spinnrad‹ manchen Dirigenten ins Stolpern bringt. Nicht so Hrusa, der sich den schillernden Farben des Stücks selig hingibt.
