Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

 
 

Frank Peter Zimmermann spielt UA von Brett Dean

Berliner Morgenpost | 16. April 2007

Zimmermann spielt neues Violinkonzert
Brett Dean - ein Australier mit Berliner Vergangenheit. Fünfzehn Jahre lang war er Bratscher bei den Philharmonikern, bevor er sich als Komponist selbständig machte. Dank seiner Kontakte zu hochkarätigen Dirigenten und Solisten gehört Dean mittlerweile zu den erfolgreichsten Komponisten seiner Generation. Frank Peter Zimmermann ist mit Deans neuestem Werk, einem Violinkonzert, gerade auf Europa-Tour und stattete auch den Berlinern einen Besuch ab. Gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO) unter Manfred Honeck weilte er in der Philharmonie. Die Komposition trug den Titel ›Die verlorene Kunst des Briefeschreibens‹ und bestand aus vier Sätzen, denen Briefzeilen von Brahms, van Gogh, Hugo Wolf und Ned Kelly zugrunde lagen. Ein Sammelsurium an Klängen und Stilen, Zitaten und Anspielungen. Die gezielte Verfremdung von Kompositionstechniken des 19. und 20. Jahrhunderts war teilweise anregend, teilweise ermüdend. Im zweiten Satz entwickelte sich eine beinahe magische Atmosphäre, während der letzte Satz durch seine ausgefeilte Perpetuum mobile-Motorik beeindruckte. Die Bravo-Rufe danach galten wohl eher dem exzellenten Solisten als dem Werk an sich. Nach der Pause stellte sich rasch das Gefühl ein, dass das DSO für Beethovens 7. Sinfonie nicht mehr genügend Zeit zum Proben gehabt hatte. Wackelige Einsätze, Probleme im Zusammenspiel der einzelnen Orchestergruppen und Nachlässigkeiten in der rhythmischen Präzision waren die Folge. Manfred Honeck setzte mehr auf Klangfläche als auf differenzierte Entwicklungsprozesse. Das selbstdarstellerische Posieren und Gestikulieren des Dirigenten war nicht nur fürs Publikum belastend.

Der Tagesspiegel | 15. April 2007
Ulrich Pollmann

Schmerztrunkene Liebesbriefe
Instrumentengerecht, fordert Frank Peter Zimmermann, sollen neue Violinkonzerte sein. Und das bedeutet für ihn eben auch, dass die Konsonanzen, die dem harmonischen Klangspektrum des Instruments eingeschrieben sind, zu ihrem Recht kommen. Regelmäßig vergibt Zimmermann Kompositionsaufträge, jüngst an den Australier Brett Dean, dessen Violinkonzert er im vergangenen Monat in Köln uraufgeführt hat. In der Philharmonie überzeugen bereits die ersten Takte des Werkes, wenn Zimmermann morphinös-schöne, bitter-süßliche Töne in die verhaltenen Klänge des DSO webt. Als poetische Anregung für die vier Sätze verwendet Dean Briefe aus dem 19. Jahrhundert, eine schmerztrunkene Liebesbeichte von Brahms an Clara Schumann macht den Anfang. Der resignierte, vom Rückzug in die Innenwelt geprägte van Gogh prägt den zweiten Satz. Wieder entwickelt Dean eine feinsinnig zwischen harmonischen und dissonanten Klängen changierende Klangsprache, ohne, wie etwa Matthias Pintscher, dessen Konzert Zimmermann vor vier Jahren in der Philharmonie uraufgeführt hat, übersättigte Orchestrierungskünste aufbieten zu müssen. Den letzten Satz, von einem Schreiben des ob unhaltbarer Zustände in der australischen Provinz erbosten Politikers inspiriert, gerät dann allerdings etwas zu vordergründig virtuos. Brett Dean hätte dem Drang, einen klassischen Rausschmeißer an den Schluss zu setzten, widerstehen müssen. Den gab es nach der Pause in Form von Beethovens Siebter sowieso, von Manfred Honeck mit dem DSO zupackend, wenngleich ohne allzu originelle Interpretationsansätze in Szene gesetzt.