Wei Lu spielt Brahms' Violinkonzert D-Dur
Berliner Morgenpost | 19. Mai 2007
Klaus Geitel
Wei Lu spielte furios auf der Stradivari-Geige
Gleich der Auftakt seines Konzerts mit dem Deutschen Symphonie Orchester in der Philharmonie, das er mit Schönbergs grandiosem Abschiedsgeschenk an die spätromantische Überlieferung, der sinfonischen Dichtung ›Pelleas und Melisande‹ beschloss, zeigte der sich der junge Israeli Ilan Volkov als ausgezeichneter, spürsinniger Dirigent. Er führte die ›Neun choreographischen Szenen für Orchester‹ auf, die George Benjamin für das Brüsseler Tanzensemble ›Rosas‹ geschrieben hatte. Seine genialische Anführerin Anna Teresa de Keersmaeker, weiß man, versteht selbst noch auf der Erbse zu tanzen. Die ›Dance Figures‹, alle neun in nur fünfzehn Minuten vorübertanzend, wurden von Volkov ruhig und sicher vom Pult aus in den Erfolg gesteuert.
Aber er bewies sich auch mit seinem Orchester als wundervoll mitgehender, treu sorgender, delikater Begleiter im Violinkonzert von Johannes Brahms, aufgeführt von Wei Lu, dem chinesischen Ersten Konzertmeister des Orchesters. Seit zwei Jahren schon sitzt er mit Zuverlässigkeit der Kollegenschar vor. Nun aber erwies er sich in voller Größe als Stehgeiger der Außerordentlichkeit. Nach anfänglicher Nervosität in der neuen Rolle als Star gewann sich sein Vortrag bald die unabdingbare Gestaltungsruhe. Mit dem abschließenden, heiter auffliegenden Allegro giocoso war der Violin-Spaß indessen noch lange nicht vorbei. Er sollte sich beinahe noch staunenswerter in der Zugabe entladen: der fingerbrecherisch dahinflitzenden 24. Caprice von Paganini, vorgetragen auf der Ex-Paganini genannten Violine von Stradivari, 1680 gebaut und Wei Lu von Sponsoren aus Singapur zur Verfügung gestellt. Nicht nur Wei Lu, auch das Publikum hatte ihnen zu danken.
